Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 12. Februar 2016

Stadtgeschichte: Erster Zug vor 175 Jahren

DIE CHRONIK VON PFANNENSTIELHAUSEN wird im Stadtmuseum ausgestellt. Bild: Stadtarchiv

DIE CHRONIK VON PFANNENSTIELHAUSEN wird im Stadtmuseum ausgestellt. Bild: Stadtarchiv

 

Narren zogen schon 1841 durch die Karlsruher Innenstadt

Der erste Karlsruher Fastnachtsumzug kam am Faschingsdienstag 1841 spontan zustande. Ein Maskenball der Gesellschaft Eintracht mit einstudierten Gruppen-und Rollenspielen war so erfolgreich, dass der Wunsch laut wurde, diese am folgenden Tag der ganzen Bevölkerung vorzustellen.

Bereits 1823 hatte der erste Rosenmontagsumzug in Köln stattgefunden, und entlang des Rheins waren bis 1839 Karnevalsgesellschaften in Düsseldorf, Mainz und Mannheim gegründet worden. Zwar hatten auch die Bürger der Fächerstadt schon früher „Fasching" gefeiert, aber nicht im Freien. Man vergnügte sich bei Maskenbällen, die das Bürgertum im 18. Jahrhundert dem Adel abgeschaut hatte, im Theater oder in den Wirtschaften. Nun wollte man die als Harlekine, Hanswurste, Ritter oder berühmte Zeitgenossen verkleideten Menschen auch in Karlsruhe auf die Straße bringen.

Erinnerungen an Maria Stuart, Karl den Großen, Tell und Napoleon hatten schon in den internen Fastnachtsspielen der Eintracht eine Rolle gespielt. Nun traten sie im Umzug am 23. Februar 1841 auch nach außen. Neben Fastnachtsfiguren wie dem Bocksritter Kakadu, einem Bären mit einem Schirm auf einem Pferd, Bacchus mit dem Götterstab, einem Harlekin und der Narrenmusik wurden auch Napoleon mit seiner Garde, die Jungfrau von Orleans, Wallenstein und in Erinnerung an Andreas Hofers Tiroler Schützen mitgeführt.

Im Jahr darauf fand ein ebenso improvisierter Umzug statt, der „die ganze Stadt in freudige Bewegung versetzte", aber auch „eine Anzahl Männer" anregte, der Fastnachtsfeier einen höheren Schwung zu geben.

Der Hofschauspieler Heinrich Schütz verfasste von 1841 bis 1844 die „Chronik von Pfannenstielhausen“, die über die damaligen Aktivitäten ausführlich informiert und heute im Stadtmuseum ausgestellt ist. Die Titelillustration zeigt den Eselsritter der Narrheit im Kampf gegen den Spießbürger, wie man ihn sich damals vorstellte. -pr-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe