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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Februar 2017

NS-Terror konnte jeder sehen

VOR ALLER AUGEN fand der Terror der NS-Schergen statt. Kurator Hesse (links) erläutert Kulturamtsleiterin Asche und EB Jäger Fotos. Foto: Fränkle

VOR ALLER AUGEN fand der Terror der NS-Schergen statt. Kurator Hesse (links) erläutert Kulturamtsleiterin Asche und EB Jäger Fotos. Foto: Fränkle

 

Vor aller Augen

Fotoausstellung im Ständehaus zeigt Publikum bei vielen Deportationen und Demütigungen

Der Terror der Nationalsozialisten hat nicht nur im Geheimen stattgefunden. Eine Fotodokumentation der Berliner Stiftung "Topographie des Terrors" mit Bildern aus ganz Deutschland unter dem Titel "Vor aller Augen" zeigt eindeutig, dass etwa Deportationen religiös oder politisch Unerwünschter manchmal in aller Öffentlichkeit vonstatten gingen.

Publikum war an vielen Orten ganz nah dran und beobachtete, wie die Menschen auf Lastwagen verfrachtet wurden. Die Bilder der bereits 15 Jahre alten Ausstellung sind zurzeit in der Gedenkstätte im Ständehaus zu sehen. Erster Bürgermeister Wolfram Jäger und der Kurator der Ausstellung, der Historiker Klaus Hesse, eröffneten die Schau vorigen Freitag. Sie ist bis zum 25. März zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen. Samstags kann man sie bis 14 Uhr besuchen. Ausgestellt sind die Fotos aus zahlreichen lokalen Archiven und Sammlungen sowohl in der Rotunde im Erdgeschoss als auch im zweiten Untergeschoss.

Die rund 100 Bilder zeigen etwa, wie Juden aus einer Schule abtransportiert werden, in der sie sich haben registrieren lassen müssen. Schüler stehen ganz nahe dabei. In Nagold wurde ein Mann öffentlich angeprangert, weil er bei der Volksabstimmung zum Verbleib im Völkerbund gegen den Austritt gestimmt hatte. SS-Männer haben ihm ein entsprechendes Schild als "Volksverräter" umgehängt und ihn auf einen Brunnenrand gestellt. Sozialdemokraten und Kommunisten mussten im hessischen Heppenheim öffentlich auf Häuser gemalte anti-nationalsozialistische Parolen entfernen. Bereits Anfang April 1933 haben die Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen. In Heilbronn musste eine Frau, die sich nicht an den Appell hielt, tief gebückt unter einem Transparent durchkriechen. Der Flyer zeigt unter anderem die unwürdige Schaufahrt am 16. Mai 1933, bei der prominente Karlsruher Sozialdemokraten wie Ludwig Marum und Adam Remmele in das Konzentrationslager Kieslau gefahren wurden. Sowohl EB Jäger als auch Kurator Hesse, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung, erwähnten die Fahrt in ihren Reden als mahnendes Beispiel.

Den Rahmen für die Eröffnung bot der Holocaust-Gedenktag, den der just am vorigen Freitag beigesetzte damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 ins Leben gerufen hat. Am 27. Januar 1945 haben sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz befreit. -erg-

 
 

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