Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. März 2017

Stadtgeschichte: „Wie der Vogel singt“

HERMINE VILLINGER Bild: Stadtarchiv

HERMINE VILLINGER Bild: Stadtarchiv

 

Dichterin Hermine Villinger starb vor 100 Jahren

Sie war das „Schreiberle“. So hatte man sie dank ihrer ersten literarischen Impressionen im Offenburger Klosterpensionat genannt. Wenn Hermine Villinger seinerzeit im Kloster geblieben wäre, hätte sie zeitlebens „das Nönnle“ bleiben können. Die Heimatdichterin ist am 3. März 1917 und somit vor 100 Jahren im Alter von 68 Jahren in Karlsruhe gestorben.

Geboren wurde sie in Freiburg als erstes Kind des Militärbeamten Hermann Villinger. Bereits als „das Herminle“ noch Kleinkind war, wurde der Vater nach Karlsruhe versetzt. Die Stadt wurde ihr Heimat, auch wenn die Familie weiterhin enge Verbindungen nach Freiburg pflegte.

Hermine Villinger bewegte sich viel in der näheren und weiteren Umgebung Karlsruhes und Badens. Der Schwarzwald wurde beliebtes Ziel, den sie häufig in ihren literarischen Werken würdigte. Da kam der kernige Schwarzwaldbauer mit seinem Tun und Treiben zu Novellen- und Roman-Ehren, ebenso die von ihr so geliebte Landschaft des Oberrheins im Wechsel der Jahreszeiten. Sie verewigte etwa die jüdische „Narren-Rosel“, die an Fastnacht in Stockach eine „Taufe“ über sich hat ergehen lassen müssen und die zum Dauerspott für die freche Dorfjugend wurde.

Die „kleinen Leute“ in der ebenfalls nicht großen Residenzstadt mit ihren Freuden und Leiden lagen ihr am Herzen. Dabei spielte seinerzeit der „Familienroman“ doch eher auf Grafenschlössern oder in den Salons der Hochfinanz.

Hermine Villinger schrieb ebenso für das Theater. Und auch hier waren es die Geschichten um die kleinen Leute, die Bergbauern. Hermine Villinger, berichtet eine Zeitgenossin, sei für die badische Literatur das gewesen, was Hans Thoma mit dem Pinsel gewesen sei.

Hermine Villinger pflegte während ihres gesamten Lebens Kontakte mit großen badischen Vertretern der Künste. So war etwa Marie von Ebner-Eschenbach eine langjährige Freundin und Vorbild. Sie erreicht aber nie die gleiche Qualität, auch wenn sie Trägerin des Ebner-Eschenbach-Preises war.

Zum Tod von Hermine Villinger schrieb Wilhelm Oeftering 1917 in der Karlsruher Zeitschrift „Die Pyramide“, sie habe immer geschafft „wie ein Brunnenputzer“. Sie habe selbst vorn sich gesagt: „Ich schreibe wie der Vogel singt.“
Hermine Villinger ist heute nahezu in Vergessenheit geraten, auch wenn in der Oststadt eine kleine Straße nach ihr benannt ist. -erg-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe