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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. März 2017

Karlsruher Gespräche: Die Demokratie aktiv unterstützen

FREUNDE DER PLURALISTISCHEN GESELLSCHAFT: Wanner, Lagumdžija, Robertson und Mentrup (v.l.). Foto: Grünschloss/ZAK

FREUNDE DER PLURALISTISCHEN GESELLSCHAFT: Wanner, Lagumdžija, Robertson und Mentrup (v.l.). Foto: Grünschloss/ZAK

 

Karlsruher Gespräche thematisierten „Die pluralistische Gesellschaft und ihre Feinde“

Auch im 21. Jahr der Karlsruher Gespräche hat Prof. Dr. Caroline Robertson-von Trotha wieder „ein ausgezeichnetes Gespür für die Auswahl des Themas“ gehabt.

Das bescheinigte KIT-Vize-präsident Alexander Wanner der Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK) vergangenen Freitagabend. Mehr als 550 Bürger und geladene Gäste waren ins Audimax des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gekommen, um den Eröffnungsvortrag der Karlsruher Gespräche zu hören. Unter dem Titel „Die pluralistische Gesellschaft und ihre Feinde“ boten sie vom 3. bis 5. März ein vielfältiges Programm mit Symposium, Podiumsdiskussion sowie Filmen und Lesungen.

Oberbürgermeister Dr. Mentrup attestierte der Grand Dame der öffentlichen Wissenschaft am KIT gar „hellseherische Fähigkeiten“ und mahnte angesichts von Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Populismus Zivilcourage an. „Pluralismus und Demokratie stehen in enger Verbindung und wir müssen darüber reden, welche Kräfte die Demokratie stabil halten“, so das Stadtoberhaupt. Robertson-von Trothas Hauptthese lautete: „Pluralistische Demokratien stehen unter Druck. Sie müssen aktiv, kritisch selbstbewusst und engagiert unterstützt werden.“ Es gebe einen immer tiefer werdenden Riss zwischen zwei Gesellschaftsbildern: zwischen Bejahung von Heterogenität, Pluralität und Solidarität auf der einen und der Tendenz zu Homogenisierung, Radikalisierung und Isolation auf der anderen Seite.

Um die Wertschätzung der pluralistischen Gesellschaft des Miteinanders zu sichern, brauche es „mehr Formate, qualifizierte Diskussionen, attraktive Aktionsmöglichkeiten und ein Bürgerbewusstsein, das um die Bedeutung von Partizipation in der Demokratie weiß“. Prof. Dr. Zlatko Lagumdžija, Hauptredner des Eröffnungsabends, formulierte es drastischer: „Wir brauchen eine neue Weltordnung des Miteinanders, sonst steht uns eine Rückkehr in die Steinzeit bevor“. Der ehemalige Ministerpräsident von Bosnien und Herzegowina kritisierte auch die wachsende materielle Ungleichheit auf der Welt und appellierte: „Wir müssen uns selbst beherrschen statt uns zu zerstören.“

Es gebe keinen Plan B für unseren Planeten und es gebe keinen Plan B für die Menschheit, so Lagumdžija, der im Rahmen des World Economic Forum den „Global Leaders for Tomorrow“ angehört. „Dort, wo der Geist ohne Furcht ist, […] wo Erkenntnis frei ist, wo die Welt nicht in Fragmente von engen häuslichen Mauern zerlegt wird. […] Zu diesem Himmel der Freiheit […] lass mein Land erwachen,“ zitierte er den großen indischen Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore und machte seinen Zuhörern an diesem Abend Mut, „jetzt und gemeinsam etwas zu tun.“

Wer erfahren möchte, welche anderen aktuellen gesellschaftlichen Themen das ZAK in den letzten Jahren aufgegriffen und der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt hat, kann dies in „Dialogue in Progress. Stimmen aus 20 Karlsruher Gesprächen“ nachlesen. -res-

 
 

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