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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. Juni 2017

Kultur: Figürlich expressiv abstrakt

HIMMELSTREPPE: Müller-Huf-schmid schuf sie 1960. Rechts seine Enkelin Ulrike Müller-Seifried, die in Heidelberg lebt. Foto: Fränkle

HIMMELSTREPPE: Müller-Huf-schmid schuf sie 1960. Rechts seine Enkelin Ulrike Müller-Seifried, die in Heidelberg lebt. Foto: Fränkle

 

Willi Müller-Hufschmid: Ausstellung in Galerie

Da steht ein Mann, an dessen Körper Bahnschranken statt Armen nach unten hängen. Ein zorniger, entsetzter Vogel in Eisenbahneruniform, der nicht mehr fliegen darf. Willi Müller-Hufschmid wollte und konnte nicht der Schrankenwärter sein, der ihm aufgezwungen wurde, denn er war Künstler. Seit 1933 hatte der 1890 in Karlsruhe geborene und an der Kunstakademie ausgebildete Maler und Zeichner als politisch Unliebsamer keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr bekommen. Sohn Nikolaus wächst in Pflegefamilien auf. Als seine Frau Verena Hufschmid schließlich schwer erkrankt und nicht mehr für den Lebensunterhalt sorgen kann, nimmt er 1941 eine Beschäftigung als Bühnenbildner in Konstanz an. Dunkle Jahre – politisch wie privat. 1942 stirbt seine Frau.

Mit seinen Werken stellt sich Willi Müller-Hufschmid, der ab 1913 acht Jahre Militär- und Kriegsdienst sowie die Gefangenschaft in Sibirien durchlitten hatte, gegen den Nationalsozialismus. Er malt sich immer wieder selbst – verzweifelnd und suchend, in großer innerer Anspannung – und hält Nazis und Mitläufern den Spiegel vor – etwa in den Zeichnungen „Affenparade“ und „Sie beten ihren Verräter an“. Im Jahr 1947 kehrt er endlich in sein geliebtes Karlsruhe zurück und kann sich an Ausstellungen der nordbadischen Künstlergruppe „Der Kreis“ beteiligen. Seine Werke werden leichter, lichter – und abstrakter. In seiner kleinen Mansardenwohnung in der Dragonerstraße entstehen ausgeglichene, schwebende, fast meditative Kompositionen. 1953 erhält Willi Müller-Hufschmid dann den Kunstpreis der Stadt Karlsruhe, 1958 den Preis der Badischen Künstler und 1959 nimmt er mit drei Temperabildern an der documenta II in Kassel teil.

Rund 70 Zeichnungen Willi Müller-Hufschmids aus ihrem eigenen, rund 700 Werke umfassenden Bestand, zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe noch bis 8. Oktober unter dem Titel „figürlich, expressiv, abstrakt“. Eindrucksvoll dokumentieren sie den künstlerischen Weg eines Mannes, für den seine Bilder Kinder waren. Kinder, die nach ihm schreien, wenn sie verändert werden wollen. Deshalb, so erzählt seine Enkelin Ulrike Müller-Seifried, habe er manchmal schon verkaufte Bilder zurückgeholt - um sie weiterzuentwickeln. So wie er selbst nicht stehen geblieben ist. -res-

 
 

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