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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Juni 2017

Stadtarchiv: Archiv stemmt sich gegen Zerfall

BIS ENDE JULI sind im Pfinzgaumuseum einige der alten Amtsbücher ausgestellt, die hier Archivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche und die verantwortliche Archivarin Angelika Herkert präsentieren.     Foto: MMG

BIS ENDE JULI sind im Pfinzgaumuseum einige der alten Amtsbücher ausgestellt, die hier Archivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche und die verantwortliche Archivarin Angelika Herkert präsentieren. Foto: MMG

 

Restaurierung von Durlacher Amtsbüchern / 75 Prozent des Gesamtbestands gefährdet

„Wir tun das Möglichste, um unsere alten Bestände zu sichern.“ Mitte Juni rückten der Leiter des Stadtarchivs, Ernst Otto Bräunche, und Archivarin Angelika Herkert nach den Akten der Hauptregistratur und des Baus die Durlacher Amtsbücher in den Fokus. 1584 dieser seit dem Jahr 1509 geführten Aufzeichnungen gibt es noch. Relativ komplett, gehören sie zum ältesten Bestand.

Dokumentiert sind hier etwa  Ratsprotokolle und -beschlüsse, Verträge, Grundstücksübertragungen oder Grundbuchserien. Aus handgeschöpftem, dem Hadernpapier, sind sie zwar nicht wie säurehaltiges Papier vom Zerfall bedroht, weisen aber teilweise starke Benutzungsspuren oder Schimmel auf den Seiten auf, außerdem sind Einbände beschädigt.

Von der bundesweiten Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, die 2016 Projekte unter dem Motto „Erste Wahl“ förderte, erhielt die Stadt nun 8200 Euro, die gleiche Summe steuert sie selbst dazu. Das reicht für rund 20 Bände, denn hier handelt es sich um „teure Handarbeit. Vieles erledigt eine städtische Restauratorin, aber größere Aufträge, die sie nicht schafft, geben wir an externe Anbieter, von denen es vier bis fünf gibt“, klärte Bräunche auf.

Von den Amtsbüchern sind noch 200 weitere gefährdet. Für all seine Schätze hofft der Archivleiter auf weitere Bundesförderungen, kann aber auch auf eigene Haushaltsmittel zurückgreifen. So verfügt das Archiv  nach kleinen Anfängen 2003 inzwischen über Haushaltstöpfe von jeweils 100000 Euro für Restaurierung und Digitalisierung. Die sind bitter notwendig, denn es gilt derzeit stadtweit 5,5 Kilometer weitere Amtsbücher, Urkunden, Akten, Rechnungen und digitale Unterlagen in Schuss zu halten.

Da Karlsruhe erst  1715 gegründet wurde und nach 1830  ligninhaltiges,  „saures“ Papier verwandt wurde, sind 75 Prozent der schriftlichen Überlieferung der Fächerstadt, allen voran Zeitungspapiere von der Zersetzung bedroht. Probleme machen auch elektronische Hinterlassenschaften. Frühe Computerausdrucke verblassen schnell, zudem sind Daten wegen des Technologiewechsels oft nicht mehr lesbar. Mit bereits mehr als zwei Millionen Digitalisaten liegt Karlsruhe bundesweit in der Spitzengruppe. -cal-    

 
 

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