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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Juni 2017

Stadtgeschichte: Späteres Bekenntnis zur Moderne

KLARE KANTE suchte der Architekt Hermann Alker. Foto: saai

KLARE KANTE suchte der Architekt Hermann Alker. Foto: saai

 

Architekt Hermann Reinhard Alker starb vor 50 Jahren / Bleibende Akzente gesetzt

Mit der Dornwaldsiedlung, dem Alten Stadion im KIT und dem Quartier zwischen Schwarzwald-, Ebert-, Schnetzler- und Klosestraße sowie der Matthäuskirche bereicherte der Architekt Hermann Reinhard Alker das Stadtbild mit markanten Schöpfungen im Stil neuen Bauens.

1885 in der Pfalz geboren, besuchte er die Baugewerkeschule in Kaiserslautern und studierte anschließend von 1904 bis 1911 an der TH Karlsruhe bei Carl Schäfer, Josef Durm, Max Laeuger, Hermann Billing und Friedrich Ostendorf, dessen Assistent das Talent nach einem Studienaufenthalt in Rom wird. Dort hatte Alker sich für Michelangelo und die italienische Renaissance begeistert, was sich in Promotion über St. Peter und  Habilitation über die Villa d´Este in Tivoli niederschlug.

Und als Universalkünstler in der Übernahme verschiedener Lehraufträge, etwa über Baustoffkunde, Baukonstruktion, darstellende Geometrie, Gebäudelehre wie Architektur und Gartenkunst der Renaissance. 1919 Regierungsbaumeister, erhielt er 1924 eine außerordentliche und schließlich 1939 in der Nachfolge Billings eine ordentliche Professur an der TH. Unter dem Einfluss Ostendorffs fand er anfangs traditionelle dauerhafte Lösungen. Zunehmend an der Moderne orientiert, verzichtete er auf Schmuckelemente und setzte auch unter Verwendung von Beton zur Gliederung der Baukörper Backstein, zur axial-symmetrischen Fassadenstrukturierung Putz- und Zementguss ein. Details wie Türen, Fenster, Beschläge und Lampen  gestaltete er sorgfältig mit kantigen, expressionistischen Formen.

Als Förderer seiner Ideen erschien ihm Hitler, der ihn 1937/38  als Stadtbaurat für Sonderaufgaben nach München rief. Nach einem nicht genehmigten Interview im Völkischen Beobachter 1938 entlassen, musste er nach 1945 die Professur zugunsten Egon Eiermanns aufgeben, wurde 1950 jedoch nachträglich  emeritiert. Bis zu seinem einsamen Tod am 25. Mai 1967 beteiligte  er sich freischaffend mit Wohnbauten und öffentlichen Einrichtungen am Wiederaufbau. -cal-

 
 

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