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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Juli 2017

Werderplatz: Auftakt der Bürgerbeteiligung

BRENNPUNKT INDIANERBRUNNEN: An der Diskussion darüber beteiligten sich viele Bürger, hier im Gespräch mit Pfarrer Wolfgang Stoll (l.) und der städtischen Drogenbeauftragten Cordula Sailer. Foto: Knopf

BRENNPUNKT INDIANERBRUNNEN: An der Diskussion darüber beteiligten sich viele Bürger, hier im Gespräch mit Pfarrer Wolfgang Stoll (l.) und der städtischen Drogenbeauftragten Cordula Sailer. Foto: Knopf

 

Gemeinsam Ideen entwickelt, um Situation zu entschärfen / Große Resonanz

Der Werderplatz in der Südstadt ist seit jeher ein Brennpunkt. Offensichtlich hat sich die Situation zuletzt drastisch verschlechtert. Daher luden Stadtverwaltung, Polizei, Diakonisches Werk, AWO und Bürgergesellschaft am Wochenende zu einer Diskussion in den Innenhof der Johannis-Paulus-Gemeinde.

Wie brisant die aktuelle Situation ist, zeigte auch die große Resonanz auf die erste Bürgerbeteiligungsrunde. Begrüßt wurden die Akteure von EB Wolfram Jäger. „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen, um gemeinsam Vorschläge zu entwickeln“, sagte der EB. Anschließend wurde ein sehenswerter Film gezeigt, in der sämtliche Protagonisten zu Wort kommen. Suchtabhängige ebenso wie Gewerbetreibende, Anwohner, Kommunaler Ordnungsdienst oder Sozialarbeiter. Ein Apotheker berichtete, dass er zeitweise überlegte, einen privaten Sicherheitsdienst einzustellen. Gastronomen erläuterten, wie sie den Raum ihrer Gäste regelrecht verteidigen mussten. Ein Kommentar nannte den Begriff „Toleranzmissbrauch“ in dem Sinne, dass sämtliche sozialen Probleme in der vermeintlich toleranten Südstadt kumuliert würden.

Süchtige kamen ebenfalls zu Wort und berichteten beispielsweise über ihre desolate Wohnsituation in Mini-Einzimmerwohnungen. Ein Kriterium, das Martina Hillesheimer (BG Südstadt) unter dem Stichwort „Bettenburgen“ zu wenig gewürdigt sah. Insgesamt bildete der Film ein realistisches Bild ab, das von zunehmendem Alkohol- und Drogenmissbrauch, Pöbeleien und der Zunahme von Süchtigen aus Osteuropa gekennzeichnet sei. Jens Jägle (Amt für Stadtentwicklung) skizzierte verschiedene Maßnahmen So wurde die Polizeipräsenz erhöht, eine Hotline eingerichtet, eine rumänisch sprachige Sozialarbeiterin eingestellt, es gab Gesprächsrunden mit Gewerbetreibenden und der Kassenärztlichen Vereinigung (Stichwort Entlastung Substitution).

In Themenkreisen diskutierten die Bürgerinnen und Bürger mit Experten und brachten Ideen ein. Die Sanierung des WCs am Brunnen, die Wiedereinführung des Straßenfeger-Teams mit Leuten vom Brunnen, Einrichtung eines hygienisch einwandfreien Sozialraums („Fixerstube“) für Drogenabhängige (damit sie nicht im WC und öffentlichen Raum zur Spritze greifen) zählten ebenso dazu wie Einführung eines Alkoholverbots am Brunnen bis zur Rückkehr des Polizeipostens am Werderplatz. Viele machten klar, dass es nicht darum gehe, die Leute am Brunnen zu kriminalisieren, aber dass eine Grenze mittlerweile überschritten sei. „Von deutlich mehr Aggression“ war die Rede, ebenso wie dass die „Stimmung am Brunnen gekippt“ sei. „Wichtig ist es, den Kontakt mit den Menschen aufzunehmen und ihnen dabei zu helfen, eine Tagesstruktur aufzubauen“, sagte etwa Pfarrer Wolfgang Stoll (Diakonie). -voko-

 
 

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