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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 18. August 2017

Stadtgeschichte: Sensibler Poet der Landschaft

DER LANDSCHAFTSMALER, Mitbegründer der Grötzinger Künstlerkolonie und des Karlsruher Künstlerbundes,  Gustav Kampmann, in seinem Atelier. Foto: Stadtarchiv

DER LANDSCHAFTSMALER, Mitbegründer der Grötzinger Künstlerkolonie und des Karlsruher Künstlerbundes, Gustav Kampmann, in seinem Atelier. Foto: Stadtarchiv

 

Der Landschaftsmaler Gustav Kampmann starb vor 100 Jahren am 12. August 1917

Um 1900 war er der modernste unter den Karlsruher Landschaftsmalern. Mitbegründer und wichtigstes Mitglied der Grötzinger Künstlerkolonie wie des Karlsruher Künstlerbundes, hatte Gustav Kampmann um 1890 den kleinteiligen, naturalistischen, von der Zentralperspektive bestimmten Landschaftsstil aufgegeben. Von nun an reduzierte er die Natur in linearen, stark abstrahierten, überwiegend zweidimensionalen Schöpfungen in expressiver Farbigkeit auf wesentliche Formen.

Ziel: tages- oder jahreszeitliche Stimmungen zu treffen. Meist geben sie abendliche Atmosphären wieder, oft an trüben, regnerischen oder winterlichen Tagen. Das gelang ihm etwa mit ein paar Linien, einer vom Wind getriebenen Rauchfahne oder einem kleinen Licht. Hinterlassen hat der Absolvent der Großherzoglichen Kunstschule, Schüler Gustav Schönlebers und Hermann Baischs ein jeweils hunderte Arbeiten umfassendes Werk von Ölgemälden, Zeichnungen und Grafiken. Die städtische Galerie besitzt aus allen Gattungen Arbeiten, etwa die Gemälde „Blaue Luft“ und „Winterlandschaft“ oder als Lithografie „Die Ruine im Wald“ sowie Teile des Nachlasses.

Geboren wurde Kampmann 1859 im rheinischen Boppard. In Karlsruhe studierte er 1878 bis 1884, ging danach drei Jahre nach München sowie nach Lübeck und Schleißheim. 1890 zog er endgültig mit seiner Schwester Jenny Nottebohm und Otto Fikentscher nach Grötzingen in das Schloss Augustenburg. Dort gründete er mit Friedrich und Margarete Kallmorgen sowie Franz Hein die Malerkolonie, 1896 entstand der Künstlerbund. Hier wandte er sich grafischen Techniken zu und sorgte durch günstige Preise bei hohen Auflagen für Verbreitung. Dagegen verkaufte er von seinen Ölbildern, die er auf bis zu 30 Ausstellungen zeigte, nur etwa ein Viertel. Motive hatte er auch auf Studieneisen nach Holland, Spanien, Marokko und in die Alpen gewonnen. 1905 geriet er in eine Schaffenskrise, lehnte den Ruf an die Leipziger Kunstakademie ab, erhielt jedoch von Großherzog Friedrich I den Professorentitel. Nach Kriegsausbruch 1914 Leutnant der Reserve, hinderten ihn Krankheit und Depressionen am Arbeiten. Am 12. August 1917 beging er bei einer Kur in Bad Godesberg Selbstmord. -cal-

 
 

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