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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Dezember 2017

Verabschiedung: „Homo politicus“ und zielstrebiger Brückenbauer

EHRENMEDAILLE DER STADT für Jäger nach einstimmigem Gemeinderatsvotum. OB dazu: „Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank.“ Foto: Fränkle

EHRENMEDAILLE DER STADT für Jäger nach einstimmigem Gemeinderatsvotum. OB dazu: „Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank.“ Foto: Fränkle

VIELE EHRENGÄSTE nahmen am Abschied Jägers (darunter r. neben ihm OB mit Amtskette, v. l. Intendant Spuhler, Berlemont aus Nancy, Ehefrau Anna-Renate Jäger) im Kleinen Haus des Staatstheaters teil. Foto: Fränkle

VIELE EHRENGÄSTE nahmen am Abschied Jägers (darunter r. neben ihm OB mit Amtskette, v. l. Intendant Spuhler, Berlemont aus Nancy, Ehefrau Anna-Renate Jäger) im Kleinen Haus des Staatstheaters teil. Foto: Fränkle

ÜBERRASCHUNG: Jägers Enkelin Clara spielte zwei Horn-Soli. Foto: Fränkle

ÜBERRASCHUNG: Jägers Enkelin Clara spielte zwei Horn-Soli. Foto: Fränkle

 

Erster Bürgermeister Wolfram Jäger mit Dank und Wehmut im Staatstheater verabschiedet / Kommunale und Internationale würdigen Engagement / Verständigung, Kulturkonzept, IT-Amt, KOD als Beispiele

Durlacher und Europäer, Kulturfreund mit Ordnungssinn, überzeugter Jurist und Politiker: Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit machen Wolfram Jäger aus, zeigte seine Verabschiedung als Erster Bürgermeister (EB) und früherer Stadtrat im Badischen Staatstheater. Die Gäste bauten Montag auf sein Weiterwirken im Ruhestand.

Als „homo politicus“, wie Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup seinen zum Jahresende scheidenden Vertreter bezeichnete, verschwinde dieser sicher nicht von der politischen Bühne. Das breite Spektrum des Dezernats 2 (mit unter anderem Kultur, Personal, öffentlicher Sicherheit, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung, Wahlen) das Jäger seit 2008 leitete, ehe der Christdemokrat 2014 überdies EB wurde, habe ihn „nicht abgeschreckt, sondern offensichtlich zusätzlich motiviert“. Eng mit seinem Namen verbunden blieben exemplarisch das Kulturkonzept 2025, die Gründung eines IT-Amts, die Einführung des Kommunalen Ordnungsdienstes, die aktuelle Kampagne zur Personalgewinnung. Das Ringen um die Stadt als attraktive Arbeitgeberin anerkannte der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Werner Pfitzner, wie Jägers stets lösungsorientierte Kompromissbereitschaft. Der EB sah im demografischen Wandel ein Damoklesschwert, das für die Zukunftsfähigkeit Aktion verlangt.

„Karlsruhe im Herzen Europas, dieses Herz wollten Sie noch mehr zum Schlagen bringen“, würdigte Mentrup einen weiteren Schwerpunkt. Der frankophile Jäger bemüht sich unter anderem um Taiwan, natürlich um Nancy, beschrieb das trilaterale Bündnis mit dem südrussischen Krasnodar als Krönung. „Den Erbfeind zum Freund zu machen“, die Aussöhnung mit Frankreich sollte Beispiel geben, betonte Jäger. „Warum sollte uns das nicht auch in Russland gelingen?“ Ein Schlüsselerlebnis hatte er beim eigenen Schüleraustausch in Frankreich, als der Platz des Großvaters, der sich geschworen hatte, nie mehr bei einem Deutschen zu sitzen, nicht leer blieb.

Wenn Jäger künftig Nancy oder einen der anderen Partner besuche, werde er stets „willkommen geheißen als Freund, aber auch als ganz besonderer Brückenbauer in Europa“. So schloss der für Internationales zuständige Beigeordnete Jean-Michel Berlemont. Beim Geehrten überwog die Freude auf die neue Phase. Nach mehr als 40 Jahren beruflicher Tätigkeit (Leiter mehrerer Vollzugsanstalten, im Deutschen Herbst 1977 nach Stammheim beordert, Staatsanwalt und Richter, dann (Erster) Bürgermeister) sowie über 30 Jahren des politischen Agierens. Der Weg führte über Bezirksbeirat und Ortschaftsrat (Jäger: „Wer in Durlach aufgewachsen ist, kann nicht verleugnen, dass er Durlach hochhält“) sowie Gemeinderat. In den wurde Jäger seit 1984 fünfmal in Folge gewählt. Sein dortiges Wirken würdigte ein Lüpertz-Teller. Nach einstimmigem Votum des aktuellen Plenums erhielt Jäger zudem Karlsruhes Ehrenmedaille. Der Generalintendant des Staatstheaters, Peter Spuhler, als ausgewählter Gastgeber „ganz ungeheuer stolz“, bot im „gemeinsamen Wohnzimmer“ Streicher der Staatskapelle (Tschaikowski und Fauré) und ein geheim gehaltenes Bonbon für Jäger: die neunjährige Enkelin Clara allein am Horn.

Karlsruhes Status als „kultureller Leuchtturm“, die Achtung des Ehrenamts, das umkämpfte Etablieren der Bürgerzentren, gut bewältigte Demos, kommunale wie europäische Visionen nimmt Jäger mit. Er freut sich auf die Familie – und bleibt umtriebig. Die Losung: „Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle.“ -mab-

 
 

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