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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Februar 2017

Kultur: Sind das etwa violette Brotlaibe?

AM ALLERBESTEN SITZEND genießt man den Anblick der schönen Landschaftsgemälde in der Kunsthalle und hört dazu die von Autorinnen und Autoren verschiedener Disziplinen verfassten Texte.  Foto: Fränkle

AM ALLERBESTEN SITZEND genießt man den Anblick der schönen Landschaftsgemälde in der Kunsthalle und hört dazu die von Autorinnen und Autoren verschiedener Disziplinen verfassten Texte. Foto: Fränkle

 

„Unter freiem Himmel“ in der Kunsthalle mit neuen Lesarten von Landschaft

Für Alex Capus sind es die Eisläufer, die dem Gemälde „Schlittschuhläufer auf einem Kanal“ (um 1650) ihren Zauber verleihen. „So heiter, tänzerisch leicht und friedlich verspielt gleiten sie in prekärem Gleichgewicht über den gefrorenen Fluss, dass man selbst fröhlich wird von diesem Anblick.“

Es ist der Blick des Schriftstellers, der auf Aert van Neers Winterbild ruht. Und es sind Besucherinnen und Besucher der Staatlichen Kunsthalle, die über Bildgeschichten neue Zugänge zur Kunst finden sollen. „Unter freiem Himmel – Landschaft sehen, lesen, hören“ heißt die bis 27. August dauernde Ausstellung mit 53 Werken aus sieben Jahrhunderten Kunstgeschichte, die ebenso viele Autorinnen und Autoren verschiedener Disziplinen, darunter Cornelia Funke, Arno Geiger, Marlene Streeruwitz oder Hans-Ulrich Treichel, zu Gedichten, Geschichten und Essays inspirierten.

Ihre Kuratorin Kirsten Voigt ist Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin und knüpft mit dem Projekt an die erfolgreiche Vorgängerschau „Unter vier Augen“ von 2013 an. Damals waren es Porträts aus der Sammlung der Kunsthalle, jetzt sind es Landschaftsbilder von Malern wie Joachim Patinir, Caspar David Friedrich, Gustave Courbet, Paul Cézanne, Franz Marc, René Magritte und Georg Scholz bis hin zu Zeitgenossen wie Fritz Klemm und Daniel Roth. Tessa Rosebrock erinnert Camille Pissarros „Junimorgen bei Pontoise“ an ihr Zuhause auf dem Lande, es lässt ein „Sehnsuchtsbild“ in ihr aufsteigen. „Es war die von ihm geschilderte ländliche Einsamkeit in dem besonderen Licht des sechsten Kalendermonats, diesem verheißungsvollen, noch uneingelösten Versprechen auf die schönste Jahreszeit, die mir so vertraut vorkam“, schreibt sie dazu. „Eine zarte Empfindung erinnerten Glücks“ hat Fred Licht bei der Ansicht von Wilhelm Trübners „Kaffeetisch am Starnberger See“ erfasst, während Ralph Dutli in der „Oberstdorfer Landschaft“ von Alexej Jawlensky „Violette Brotlaibe, halluzinogene Eis-sorten, gestrandete Wale“ entdeckt.

Wer sich auf Exkursion durch die Natur begibt, bekommt als Proviant die etwa zehnminütigen Texte pro Bild per Mediaguide direkt ans Ohr. Die neuen Lesarten von Landschaft – Stühle stehen bereit – eignen sich nicht für Schnelldurchläufe, sie erfordern Zeit und Muße. „Mit uns kommen Sie wirklich herum“ verspricht Kirsten Voigt. Es lohnt sich. Der Katalog inklusive mp3-CD kostet an der Museumskasse 32, im Buchhandel 38 Euro. -maf-

 
 

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