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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. Januar 2018

Kultur: InformelSchau - Sie hatten "Mut zur Freiheit"

FLÜGELTIER-MIGOF nannte Bernard Schultze diese Skulptur, mit der er blühende Verwesung, das Entstehen von Neuem nach der Kriegskatastrophe beschwört, dahinter Werke von Peter Brüning. Foto: Fränkle

FLÜGELTIER-MIGOF nannte Bernard Schultze diese Skulptur, mit der er blühende Verwesung, das Entstehen von Neuem nach der Kriegskatastrophe beschwört, dahinter Werke von Peter Brüning. Foto: Fränkle

 

Werke des Informel aus der Sammlung Grässlin im Dialog in Städtischer Galerie

Ein Kosmos von Farben und Formen entfaltet sich derzeit in der Städtischen Galerie in der 16-teiligen Ausstellung "Mut zur Freiheit. Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin im Dialog".

Rund 100, von 1946 bis 1974 entstandene Arbeiten des Informel, in denen Künstler wie Wols oder K.R.H. Sonderborg in der Auseinandersetzung mit Unterdrückung, Krieg und Sterben zu abstrakten, persönlichen, völlig neuen Ausdrucksformen fanden, stehen Arbeiten der Karlsruher Neuen Figuration aus der Galerie gegenüber. Etwa von Horst Antes oder Willi Baumeister. Figürliches wird hier nicht abstrakt aufgelöst, sondern entsteht als innere, chiffrenhaft verschlüsselte Imagination neu.

Extrovertiert und leidenschaftlich, fand Fabrikant Grässlin über die gefalteten oder aufgebrochenen Stahlplatten des Bildhauers und Grafikers Erich Hauser zu den gegenständliche wie abstrakte geometrische Malerei ablehnenden Künstlern des Informel. Die hatten sich nach der Isolation durch die NS-Diktatur ab 1945 in Paris getroffen, später in München, Frankfurt, Düsseldorf. Etwa Alfred Otto Wolfgang Schulze (Wols), dessen Bild "Ohne Titel, 1946/1947" für das Experimentieren mit fester und flüssiger Farbe, die tropfte und verlief, steht. Nachvollziehbar ist hier der Entstehungsprozess wie in der dynamischen Schnellmalerei mit Kleisterfarbe, strukturiert durch Rakel, Spachtel, Pinsel und Messer von Karl Otto Götz. Gestische Bewegungsabläufe entwickeln sich bei Peter Brüning zu partiturhaften Landschaften, während Karl Fred Dahmen vor dem Hintergrund der vom Braunkohletagebau aufgerissenen Landschaft eine völlig neue erschaffen wollte ("Weiße Poesie").

Großstadtatmosphäre und Jazz drückte Sonderborg in "tanzenden Maschinenbildern" wie "3.VII.58.16. 11 - 17.23h, 1958" aus. Gerhard Hoehme setzte in Radierungen mit Schriftelementen Allen Ginsbergs Gedicht "The Howl" um. Als "furioser Farbmalocher" türmt Emil Schumacher Farbpigmente, Sand, Lumpen und vieles mehr auf. "Arme Materialien" wie Rasierklingen oder Korken erhalten in Carl Buchheisters wunderschönen Mixed Media-Kompositionen neue Würde. Beispielhaft für Neue Figuration steht unter anderem Hap Grieshabers Farbholzschnitt "Schwarze Rose" von 1959. Noch bis 11. März.

Im Museumsshop kostet der reich bebilderte Katalog 19 Euro. -cal-

 
 

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