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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. März 2018

Kultur: „Heute ist ein schöner Tag“

SCHLÜSSEL-ERLEBNIS: Die Ergebnisse des inklusiven Ausstellungsprojekts „zweiSchlüssel“ von Kunstakademie und Frauen ohne Obdach hängen bis 22. April in der Galerie Kunstperipherie/n. Foto: Bastian

SCHLÜSSEL-ERLEBNIS: Die Ergebnisse des inklusiven Ausstellungsprojekts „zweiSchlüssel“ von Kunstakademie und Frauen ohne Obdach hängen bis 22. April in der Galerie Kunstperipherie/n. Foto: Bastian

 

„zweiSchlüssel“: Obdachlose Frauen und Kunststudentinnen stellen gemeinsam aus

Einfach loslassen, im kreativen Tun kurzzeitig das Leben auf der Straße vergessen: Obdachlose Frauen und Studentinnen an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe haben sich über viele Monate getroffen, miteinander gearbeitet, einander über die Schulter und ins Gesicht geblickt. Ein Experiment auf Augenhöhe, das alle Beteiligten beglückte und dessen Ergebnisse bis zum 22. April in der „Galerie Kunstperipherie/n“ zum Betrachten und zum Verkauf hängen.

„zweiSchlüssel“ nannte Initiatorin Christina Griebel, Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften, das inklusive Projekt während des Wintersemesters. Das offene Ende war Teil des Plans. Auf keinen Fall sollte Druck entstehen. Sie gewann Lissi Höhnerlein, die bei den Sozialpädagogischen Alternativen (Sozpädal) den Bereich Frauen leitet, für die Idee. Und beide gewannen Teilnehmerinnen, die immer mittwochs mit Begeisterung anleiteten und sich anleiten ließen.

Eigentlich sei es fast wie in einem Seminar gewesen, schilderte Griebel. Mit dem großen Unterschied nur, dass zwölf der Frauen in prekären Wohnverhältnissen leben, obdachlos sind, im Wald, auf der Straße oder in betreuten Wohngemeinschaften erwachen. Für die Stunden der Verabredung spielten die gegensätzlichen Lebenswelten keine Rolle. Aus der Begegnung erwuchs ein „Abenteuer der Verwandlung“, endlich „musste niemand darüber reden, warum das so ist und was alles geändert werden muss, es gibt nur Hände und Augenpaare“, schreibt Griebel im Begleittext zur Ausstellung. Nur die Arbeit und das Austesten unterschiedlicher künstlerischer Medien zählten. „Wenn ich Kunst mache, bin ich ganz bei mir“, sagte eine der Teilnehmerinnen. Eine andere schrieb auf ein Blatt Papier „Heute ist ein schöner Tag“, es wurde Teil der Ausstellung.

Die wohnungslosen Frauen hätten „nicht nur partizipiert, sondern ihr Gegenüber inspiriert“, war Lissi Höhnerlein begeistert, „und hinterher wussten alle mehr“.  Die Auswahl der Kunstwerke für die Schau, darunter Zeichnungen, doppelt belichtete Fotografien, Lithografien und Collagen, sei nach künstlerischen und  nicht etwa nach sozialen Kriterien erfolgt, auf diese Feststellung legten die Akteurinnen Wert – jede Arbeit könne neben der anderen bestehen, es herrsche Gleichheit. -maf-

Etwas anders – Kunstperipherie/n

Die Galerie Kunstperipherie/n in den Räumen von Sozpädal in der Scheffelstraße 37 ging vor rund fünf Jahren an den Start. Gegründet von Peter Empl und Inge Kemm legt sie ihren Schwerpunkt auf wenig populäre Außenseiter-Kunst. Die sich jenseits etablierter Formen und Strömungen entfaltet.

Öffnungszeiten der Galerieräume sind montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr, freitags bis 15 Uhr.

 
 

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