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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Mai 2018

Kultur: Demokratie ist kein Schlafwagen

DISKUSSION UM GRUNDRECHTE: In einer Talkrunde mit Bürgermeister Martin Lenz und Bundesverfassungsrichtern Dr. Susanne Baer (von links) stellten Jugendliche sich und ihre Projekte vor. Foto: Bastian

DISKUSSION UM GRUNDRECHTE: In einer Talkrunde mit Bürgermeister Martin Lenz und Bundesverfassungsrichtern Dr. Susanne Baer (von links) stellten Jugendliche sich und ihre Projekte vor. Foto: Bastian

SCHRÄGE PERFORMANCE: Die ukrainischen Dakh Daughters begeisterten mit schwarzem Humor, Kabarett und Punk. Foto: Bastian

SCHRÄGE PERFORMANCE: Die ukrainischen Dakh Daughters begeisterten mit schwarzem Humor, Kabarett und Punk. Foto: Bastian

 

Positive Bilanz der Europäischen Kulturtage / Abschlussabend im Tollhaus

Es hätte kaum besser passen können: Mit ihrem schrillen Mix aus Punk, Folk und Chanson setzten die „Dakh Daughters“ aus der Ukraine einen begeisternden Schlussakkord unter die 24. Europäischen Kulturtage.

Von städtischem Kulturamt und Badischen Staatstheater verantwortet, thematisierte das rund zweiwöchige Festival in 80 Veranstaltungen „Umbrüche, Aufbrüche: Gleiche Rechte für alle“.

Unter dem Motto „Aufbrechen“ stand auch der Abschlussabend im Tollhaus. An den Wänden zeigen berührende Schwarz-Weiß-Aufnahmen Familien mit behinderten Kindern, die „alle gleich verschieden“ sind. „Gleiches Recht auf Glück. Inklusion leben“ hatten Initiatorin Michaela Mannhardt und Fotografin Yvonne Speck ihre Schau überschrieben. „Klasse, dass diese Familien gesehen werden“, erklärte beim Rundgang Heike Restle, die gemeinsam mit ihren Lieben ebenfalls abgelichtet wurde.

Sie wünscht sich mehr Ärzte, die Frauen ermutigen, ihr Kind trotz zu erwartender Behinderung zu bekommen, denn „da ist nichts, an dem man zerbrechen muss.“ Premiere hatte danach der Film #takeyourrights, in dem sich Jugendliche aus Einrichtungen des Stadtjugendausschusses (StJA) kreativ mit den Grund- und Menschenrechten beschäftigten. Finn als einer der Teilnehmer wollte bei der begleitenden Podiumsdiskussion die Partizipation Jugendlicher in der Verfassung verankert wissen.

Das Grundgesetz enthalte diesen Gedanken bereits, sagte Bundesverfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer, da stünde nirgendwo „unter 18 darf man nicht.“ Gesellschaften seien nur stark, „wenn jeder sein kann, wie er ist“, erklärte StJA-Vorsitzender Daniel Melchien. Dafür gelte es zu kämpfen, hielt er es mit dem früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und dessen Weckruf „Wer meint, Demokratie ist ein Schlafwagen, muss sich nicht wundern, wenn er in einer Diktatur aufwacht“.

Die EKT seien „ein Statement für die Freiheit der Kunst, für den Dialog und für die Gleichstellung der Geschlechter“, zeigte sich Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche mit Verlauf und Resonanz zufrieden. In jeder Veranstaltung habe man gespürt, „wie relevant das Thema für die Besucherinnen und Besucher ist“, war auch Generalintendant Peter Spuhler stolz auf „Anregungen und Impulse“, denn das Ringen um gleiche Rechte sei längst nicht abgeschlossen. -maf-

 
 

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