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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Mai 2018

Stimmen aus dem Gemeinderat: SPD: Herausforderung Werderplatz: Die Menschen im Blick

Yvette Melchien, SPD-Stadträtin

Yvette Melchien, SPD-Stadträtin

 

Es gibt schwerstdrogenabhängige Menschen – auch in Karlsruhe. So bedauerlich diese Tatsache ist, es nützt nichts, die Augen zu verschließen. Es muss gehandelt werde und zwar mit Blick auf alle Betroffenen: Die Abhängigen sowie die Öffentlichkeit, die mit dem Konsum harter Drogen konfrontiert ist, sei es durch die Situation am Werderplatz, die Verschmutzung der näheren Umgebung oder des unzumutbaren Zustands der Toiletten des Indianerbrunnens.

Nach konstruktiven Gesprächen mit der Bürgerschaft der Südstadt wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um den Missständen durch die offene Drogen- und Alkoholszene auf dem Werderplatz entgegenzuwirken. Ein erster guter Ansatz ist ein Aufenthaltsraum, in dem der Konsum von niedrigprozentigem Alkohol gestattet ist, wie in dem von Fachkräften der Sozialen Arbeit geleiteten niedrigschwelligen A³-Angebot des Diakonischen Werkes.

Ein weiterer mutiger Vorschlag ist die Einrichtung eines Drogenkonsumraums in Kombination mit einem Kontaktladen, wie vom Gemeinderat einstimmig beschlossen. Ein sogenannter Drogenkonsumraum bietet Drogenabhängigen die Möglichkeit, ihre mitgebrachten Substanzen in einer sterilen Umgebung und unter Einhaltung bestimmter Verhaltensauflagen einzunehmen. Mithilfe dieses Gesamtkonzeptes könnte neben der Entlastung des öffentlichen Raumes eine umfassende gesundheitliche Begleitung der Drogenkonsumenten gewährleistet werden.

Positive Erfahrung anderer Kommunen

Im Vorfeld hat mir persönlich der Besuch eines Drogenkonsumraums in Bochum vor Augen geführt, welch wichtigen Beitrag ein solches Angebot für die Betroffenen leisten kann. Durch ein gutes Zusammenwirken aller haben sich vorhandene Ängste und Ressentiments nicht bewahrheitet. Auch andere Städte können positive Rückmeldungen geben. Inzwischen sind 23 Drogenkonsumräume in sechs Bundesländern in Betrieb. Nach einer Expertise hat sich der Gesundheitszustand der Schwerstabhängigen stabilisiert oder verbessert und die soziale Integration erleichtert. Angesichts wieder steigender Todesfälle infolge des Konsums harter Drogen auch in unserer Stadt müssen wir handeln.

In Karlsruhe ist unserer Ansicht nach die AWO als Träger für diese verantwortungsvolle Aufgabe bestens qualifiziert. Trotzdem finden wir es richtig, wenn dieses für unsere Stadt neue Konzept zunächst befristet und fortwährend kritisch evaluiert wird. Voraussetzung für die zeitnahe Umsetzung ist nun, dass eine entsprechende Rechtsverordnung des Landes erlassen wird. Wir hoffen daher auf zügiges Handeln der Landesregierung zugunsten aller.

Yvette Melchien
SPD-Stadträtin

 
 

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