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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Juni 2018

Karlsruher Pässe: Ärmere als Kunden entstigmatisiert

SPASS IM NASS ohne als arm abgestempelt zu sein verschafft der Karlsruher (Kinder-)Pass neben vielem mehr für Teilhabe. Foto: MMG

SPASS IM NASS ohne als arm abgestempelt zu sein verschafft der Karlsruher (Kinder-)Pass neben vielem mehr für Teilhabe. Foto: MMG

 

Karlsruher Pässe bieten würdevoll erfolgreich Hilfe / Gruppen und Felder im Blick

„Gemeinsam gegen Armut”: Titel einer im Frühjahr von Stadt, Stadtjugendausschuss (StJA), Jugendfreizeit- und Bildungswerk (jfbw) sowie Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft gestarteten Kampagne. Im Kern seit Dekaden Karlsruhes Leitmotiv.

Wichtige, am Dienstag im Pressegespräch beim jfbw beleuchtete Faktoren sind der 2006 eingeführte Karlsruher Kinderpass und der 2009 mit den drei Säulen Mobilität, Freizeit, Sport initiierte Karlsruher Pass für Erwachsene. Über 5.000 Kinder, darunter knapp 1.200 Untersechsjährige, und gut 12.000 Erwachsene haben Stand 2017 einen Pass – das absolute Gros der Berechtigten, vornehmlich Hartz-IV-Bezieher. Auch bei Musik, Theater, Bildung, Einkaufen, Essen verschafft er Teilhabe. Schlüsselwort für Bürgermeister Martin Lenz, der das Entstigmatisieren von Armut betonte. „Aus Almosenempfängern haben wir Kunden gemacht.“

Inhaber des Passes können durch dessen Vorlage - ähnlich wie Schüler oder Senioren - unkompliziert in aller Regel Leistungen zum halben Preis bekommen. Die andere Hälfte zahlen sie selbst, was das Selbstwertgefühl hebt. Das Konzept greift auch bei teureren Adressen wie dem Europabad: „Keine Einrichtung ist vor uns sicher“, erklärte der Sozialdezernent. Gerade Ältere genierten sich, Hilfen anzunehmen. Ein 60-Plus-Pass umfasst für sie Bildungsgutscheine in Höhe von jährlich 120 Euro.

Attraktiv bleibt generell, dass vom Zoo-Besuch über die Fahrkarte bis zum stärker bezuschussten Kurs im Badischen Konservatorium und zur Ausflugsteilnahme die Berechtigten entscheiden können, wie sie was nutzen. Die jfbw-Leiterin Irene Kiefer nannte Alleinerziehende und junge Menschen zwischen 15 und 25 als Gruppen, die verstärkt Unterstützung erfahren sollen. „Schaffen die Jugendlichen den Sprung oder geraten sie in eine Spirale, die in Altersarmut mündet?“, pointierte StJA-Geschäftsführerin Elisabeth Peitzmeier und sprach allgemein von einem „stimmigen Konzept“.

Seit die Sozialregion 2013 mit dem Kinderpass für Stutensee ins Leben gerufen wurde, folgten sechs weitere Kommunen, Forst soll ab Juli die nächste sein. In der Fächerstadt verschwinden sogenannte Brennpunkte: „Oberreut ist nicht mehr Oberreut“, weiß Lenz. Sein Dezernat hofft, dass mehr Unternehmen und Vereine (Budoclub, MTV, SSC, Kinderland St. Stefan, Modehaus Schöpf, Secondhandshops der Diakonie, Badisch Brauhaus, Café Initial sind Pioniere) das Label mit Herz „Gegen Armut – Wir sind dabei“ mittragen. Nicht nur Kiefer sieht eine gesellschaftlich zu lösende gesellschaftliche Aufgabe. -mab-

 
 

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