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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. August 2018

Ehrenamt: Der Luxus, viel Zeit mitzubringen

Lesepate Uwe Reitz besucht die Kinder in der Kita Kentuckyallee jede Woche. Das Vorlesen empfindet er als große Bereicherung für sein Leben, erhält dafür viel Zuneigung und Wertschätzung. Foto: Rueß

Lesepate Uwe Reitz besucht die Kinder in der Kita Kentuckyallee jede Woche. Das Vorlesen empfindet er als große Bereicherung für sein Leben, erhält dafür viel Zuneigung und Wertschätzung. Foto: Rueß

 

Ehrenamtliche Lesepaten setzen sich mit Vorlesen für die Sprachförderung ein

Wer sich mit Büchern auf die Kinderwelt einlässt, versteht ihr Denken und Fühlen

Wenn in der Kindertagesstätte Kentuckyallee ein "blauer" Tag anbricht, ist klar: Heute kommen Moni und Uwe. Die beiden 68-Jährigen sind Lesepaten in der städtischen Einrichtung und besuchen die Kinder ein- bis zweimal pro Woche zum Vorlesen. Ein blaues Kärtchen kündigt ihr Kommen an. Im Gepäck haben sie dabei meist ein schönes Buch - wenn sich die Kinder nicht schon ein eigenes aus der Bibliothek des Kindergartens ausgesucht haben.

Uwe Reitz, der früher im IT-Bereich tätig war, kommt seit fünf Jahren in die Kentuckyallee. "Als ich nicht mehr arbeiten musste, habe ich über das Projekt in der Zeitung gelesen", erzählt er. Der mehrfache Vater und Großvater war lange ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv und ist im Umgang mit kleinen Menschen vertraut. "Kinder sind das beste, das es gibt", findet er. Verständlicherweise könnten sich jedoch viele Eltern und Betreuer nicht genug Zeit für sie nehmen. "Dafür gibt es dann uns", ergänzt Moni Schäffner, die seit drei Jahren Lesepatin ist und früher an einer Schule gearbeitet hat. "Es ist ganz wichtig, dass wir hier entspannt herkommen und Zeit mitbringen", sagt sie. "Das schätzen die Kinder am meisten." Die beiden empfinden Vorlesen als große Bereicherung. "Man muss sich dabei auf die Welt der Kinder einlassen und die Bücher mit ihnen gemeinsam erleben", betont Reitz. Dann könne man auch verstehen und nachfühlen, wie Kinder denken, und die fiktiven Geschichten sogar auf das echte Leben übertragen. Manchmal fruchte das Vorlesen nicht, weil die Stimmung in der Gruppe an diesem Tag etwa aufgeregter ist als sonst, "dann spielen wir auch mal etwas mit den Kleinen oder hören einfach nur zu", berichten Moni und Uwe. Die Hauptsache sei, dass Interaktion mit den Kindern stattfinde - willkommen fühlten sie sich jederzeit.

"Wir arbeiten hier im Kindergarten an Stärken orientiert", erläutert Kita-Leiterin Katrin Schmidt-Sailer dieses Konzept. Die Kinder sollten am Vorbild und anhand von Unterstützung lernen, zum Beispiel dranzubleiben, durchzuhalten oder sich mitzuteilen. "Das sind Kompetenzen fürs Leben", unterstreicht Schmidt-Sailer. Dieses Vorgehen sei nicht leistungsorientiert, sondern vor allem auf das Menschliche fokussiert. Und da passen die Lesepaten ziemlich gut hinein.

In Karlsruhe gibt es derzeit etwa 270 Lesepatinnen und Lesepaten. Sie unterstützen Kinder in Grundschulen beim Lesen lernen oder engagieren sich, wie Moni und Uwe, für die Sprachförderung über Vorlesen in Kindertagesstätten. Wer Interesse hat, sich regelmäßig als Lesepatin oder Lesepate ehrenamtlich einzusetzen, kann sich online im Bereich "Engagement" informieren. Einsteiger werden nicht allein gelassen, sondern in die Tätigkeit eingewiesen. Sie erhalten Zugang zu allen Karlsruher Stadt(teil)-bibliotheken und kostenlose Möglichkeiten zu Fortbildung und Erfahrungsaustausch. Die Ehrenamtlichen müssen ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen und werden über die Prävention von sexueller Gewalt an Kindern aufgeklärt. Kontakt und Beratung gibt es beim Büro für Mitwirkung telefonisch unter 0721/133-1212 oder per E-Mail an bme@afsta.karlsruhe.de. -bea-

 
 

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