Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. August 2018

Kultur: ZKM zeigt 100 Meisterwerke

Flüssigkeitsschwälle, Explosionen und Sprünge hielt Sergio Prego mit 40 Kameras fest, um bei "Tetsuo, Bound to Fail" die Gesetze der Physik infrage zu stellen. Foto: ZKM / Sergio Prego

Flüssigkeitsschwälle, Explosionen und Sprünge hielt Sergio Prego mit 40 Kameras fest, um bei "Tetsuo, Bound to Fail" die Gesetze der Physik infrage zu stellen. Foto: ZKM / Sergio Prego

Teil des Kunstwerks werden Betrachtende bei Masaki Fujihatas Installation "Morel´s Panorama". Foto: ZKM / Masaki Fujihata

Teil des Kunstwerks werden Betrachtende bei Masaki Fujihatas Installation "Morel´s Panorama". Foto: ZKM / Masaki Fujihata

 

Mediale Meilensteine als "Kunst in Bewegung" inszeniert

Ein innovativer Parcours durch den faszinierenden Kosmos der Apparate

Das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) hat sich in der aktuellen Ausstellung "Kunst in Bewegung. 100 Meisterwerke mit und durch Medien" dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine im Bereich zeitbasierter medialer Künste gewidmet. Diese müssten als "herausragendste Neuerung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts" gelten, so die Karlsruher Kulturinstitution.

"Aktive Zuschauer" seien gefordert, die sich beim Rundgang durch die Ausstellung auf die vielen Assoziationen einlassen, hieß es im Pressegespräch. Wie im ZKM üblich, kann vieles ausprobiert werden, benötigt zum Teil sogar die Interaktion mit den Betrachtenden, um die geplante Wirkung zu erreichen. Um die bedeutsamen Werke angemessen zu präsentieren, wählten die Kuratoren Prof. Peter Weibel und Prof. Siegried Zielinski einen innovativen Zugang, den sie als "Forschungsdisplay" bezeichneten. Denn für die Auswahl des neuen "Kanons" habe man eine "operationale Methode" benutzt, um ein "Netzwerk aus Meister- und Referenzwerken" zu schaffen. Dabei stehen die Beziehungen der Werke zueinander und deren Bedeutung für das Zeitgeschehen klar im Fokus. Personenkult um potenzielle Meister und Genies gibt es nicht. Deutlich wird dies zum Beispiel am Foto eines fliegenden Projektils, das Ernst Mach 1888 festhielt. Daneben hängt eine moderne Aufnahme, die zeigt, wie eine Kugel einen Apfel durchschlägt.

Im Gemälde "Automobile in corsa" des Futuristen Luigi Russolo wird die Geschwindigkeit des fahrenden Autos durch Brechungen der Bildstruktur dargestellt, deren Form den Bewegungslinien auf den Fotografien entspricht. Gleiches Muster findet sich heutzutage wiederum als "Fast-Forward" Symbol im Videobereich. Dieses Zusammenspiel aus Fortschritt, Kunst und medial geprägtem Alltag macht die Ausstellung in vielen, thematisch gegliederten Bereichen erfahrbar. Das Spektrum reicht von den Bildmaschinen, die Bewegung zu imitieren versuchen, über historische Musikautomaten und musizierende Schaltkreise bis hin zu Apparaten und kinetischen Skulpturen, deren Bewegung selbst zur Kunst wird.

Die "Ultimate Machine" von Claude Shannon, lädt zum Beispiel dazu ein, einen Schalter umzulegen, nur um sich dann am selben Hebel wieder auszuschalten. Wellenbewegungen sind es, die schließlich Radio und Fernsehen erlaubten, die Botschaft vom Boten zu trennen und Ereignisse an anderen Orten hör- und sichtbar zu machen. Frühe Hörspiele, die erste E-Gitarre oder der Nachbau eines von KZ-Insassen entwickelten Radio-Empfängers sind wichtige Repräsentanten dieser Entwicklung. Digitale Datenströme, die sich mittlerweile global und autonom bewegen, sind die jüngsten Vertreter im Bereich medialer Künste. Masati Fujihata kombiniert diese in "Morel´s Panorama" mit Video-Kunst und macht sie zu einer interaktiven Erfahrung. Zwei sich drehende und an die Wand projizierte Zylinder zeigen alte Bilder des Künstlers, kombiniert mit Live-Aufnahmen der Besucherinnen und Besucher und schaffen eine Mischung aus simulierter, repräsentierter und realer Bewegung. Noch einen Schritt weiter geht die "Kunst als Simulation des Lebens" (Weibel). Interaktive Pusteblumen und genetische Algorithmen finden bei "Kunst in Bewegung" genauso ihren Platz, wie die bereits bekannte Installation "The Interactive Plant Growing", bei der durch das Berühren realer Pflanzen das digitale und am Bildschirm sichtbare Wachstum virtueller Flora hervorgerufen werden kann.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 10. Februar 2019. -gem-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe