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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. August 2018

Sommerbaustellen auf Hochtouren: Erstmals Recyclingbeton

NOCH IM ROHBAU ist der neue Aufzugsturm im Hof des von Bürgermeister Obert und Amtsleiterin Sick präsentierten Alten Bulacher Rathauses. Für ihn wurde erstmals Recyclingbeton verwendet. Foto: Fränkle

NOCH IM ROHBAU ist der neue Aufzugsturm im Hof des von Bürgermeister Obert und Amtsleiterin Sick präsentierten Alten Bulacher Rathauses. Für ihn wurde erstmals Recyclingbeton verwendet. Foto: Fränkle

 

Hochbauamt arbeitet an hundert Gebäuden / Barrierefreiheit für Altes Bulacher Rathaus

Wenn Kinder und Lehrkräfte sich im Grünen oder am Strand tummeln, haben die Bauleute Hochkonjunktur. Für rund 25 Millionen Euro sanieren sie in der Sommerpause etwa 100 städtische Gebäude. Darunter finden sich 70 Schulen.

Ziel ist Baubürgermeister Michael Obert zufolge, „Belästigungen möglichst gering zu halten, denn im laufenden Betrieb beißen sich die Ansprüche, alle wollen möglichst schnell Verbesserungen, aber keiner Baulärm und -schmutz“. Allein in Schulanlagen investiere die Stadt das ganze Jahr über bis zu 35 Millionen Euro.

Einen Schwerpunkt der Sommerarbeiten bilden mit 26 Maßnahmen energetische Sanierungen, Brandschutz ist in 20 Fällen notwendig. Außerdem werden sieben Toilettenanlagen aus einem eigenen Sanierungsprogramm für Schulen komplett erneuert. So beispielsweise in der Turnhalle des Fichtegymnasiums, in der Carl-Benz-Halle, in der Eichendorffschule oder im Schulzentrum Neureut. Nötig ist das aber beispielsweise auch im Fabriktheater oder bei sieben öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet. Ein großes Thema ist darüber hinaus die Barrierefreiheit. Hieran wird in der Heinrich-Hertz-, in der Schiller- und der Grötzinger Augustenburgschule gearbeitet.

Und im Alten Rathaus Bulach, wo es bei einem Vororttermin um die barrierefreie Erschließung wie die Neuordnung und Sanierung der Sanitäranlagen inklusive Leitungen, Entlüftung und Erneuerung der Oberflächen ging. Das ehemalige Rathaus, das unter Denkmalschutz steht, beherbergt heute im Erdgeschoss den Bulacher Polizeiposten sowie stark frequentierte Räume für den Bürger- und Musikverein. Im Obergeschoss dient der ehemalige, sehr große Gemeinderatssaal, der in der Nachkriegszeit auch Turnhalle war, nun als Festsaal für Veranstaltungen. Letzterer fiel in der Entstehungszeit des Gebäudes in den Jahren 1904 und 1905 so prächtig aus, weil die damals selbstständige Gemeinde Bulach zuvor große Teile des ihr gehörenden Hafengebietes an die Stadt Karlsruhe verkauft hatte. Verbaut werden aktuell 725000 Euro. Den Löwenanteil frisst ein auch von Menschen mit Handicap selbstständig benutzbarer, freistehender Aufzugsturm an der nordöstlichen Gebäudeecke. Er führt vom Hof in das Erd- und Obergeschoss.

Erstmals setzt das Hochbauamt hier, informierte dessen Leiterin Anne Sick, Recyclingbeton ein – um nachhaltig bauen zu können. Aus Stabilitätsgründen kommt noch ein kleiner Anteil neuer Kiesel hinzu. Mit diesem Experiment betritt die Stadt Neuland. Es sei schwierig gewesen, Firmen zu finden, die das in Deutschland noch unübliche Material verwenden. In der Schweiz sei Beton aus Abbruchmaterial dagegen fast schon bei allen Neubauten in Gebrauch. „Inzwischen sind aber alle Beteiligten sehr zufrieden“, zeigte sich die Architektin erfreut. Nackter Beton ist später auch nicht mehr zu sehen, der Turm werde angestrichen und „bekommt noch ein Vordach, Geländer auf den Verbindungsbrücken zum historischen Haus und ein schönes Portal“. Aus den ehemaligen Damentoiletten ist ein fast die Dimensionen einer Einzimmerwohnung erreichendes barrierefreies WC geworden, in dem auch eine Liege zum Wickeln inkontinenter Personen Platz findet. Die Damen bekamen die frühere Herrentoilette und die Männer ein ganz neues Örtchen. Die Toiletten waren „ die einzige Raumgruppe, die wir verändern konnten“, verriet der ausführende Architekt, Michael Totz. Gebaut wird am alten Bulacher Rathaus seit März. Der Aufzug kommt im September in den Turm, fertig sein soll alles im Oktober. -cal-

 
 

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