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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Oktober 2018

Gemeinderat: Weg frei für die KARLSRUHE VI

WELTWEIT fuhr, operierte, repräsentierte die Karlsruhe V, hier im kanadischen Quebec vor Anker. Inzwischen außer Dienst gestellt, folgt nun ein weiteres Marine-Schiff mit der Fächerstadt als Patin. Foto: pr

WELTWEIT fuhr, operierte, repräsentierte die Karlsruhe V, hier im kanadischen Quebec vor Anker. Inzwischen außer Dienst gestellt, folgt nun ein weiteres Marine-Schiff mit der Fächerstadt als Patin. Foto: pr

 

Beschluss über Schiff-Patenschaft führt zu Debatte über Bundeswehr / Verbindung zu Marine wird fortgesetzt, eigene Patenschaft für Seenotretter geprüft

Als eine der neuen Korvetten wird ein sechstes Marine-Schiff den Namen Karlsruhe um die Welt tragen. Wie vom Verteidigungsministerium und nun mehrheitlich (Stimmverhältnis 31:15) durch den Gemeinderat gebilligt, besteht so eine über 100 Jahre währende Tradition fort. Die löste wie der Appell, stattdessen oder auch Pate eines Seenotrettungsschiffs zu werden, eine teils hitzige Kontroverse aus.

„Die Bundeswehr leistet einen wichtigen Beitrag für den Frieden. Damit sie das tun kann, ist eine tiefe Verwurzelung notwendig“, unterstrich Sven Maier (CDU) zur identitätsstiftenden Wirkung. Seit 2007 warb die Stadt bei großem Engagement der Patenschaftsgesellschaft Marineschiffe KARLSRUHE für Wiederberücksichtigung nach nun erfolgter Außerdienststellung der KARLSRUHE V. „Es könnte keine bessere Visitenkarte geben“, betonte Maier.

Eine Petition, die Nein dazu und Ja zur Patenschaft für ein Flüchtlingsrettungsschiff forderte, sei eine Ohrfeige für die Wehr. Hunderte Unterschriften übergab die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen vor der Sitzung OB Dr. Frank Mentrup. Unter in dem Geist verfassten Anträgen ging Die Linke am weitesten: Die Stadt solle sich bei Hilfsorganisationen als Pate bemühen und Karlsruhe nach gleichnamiger Kampagne zum „sicheren Hafen“ erklären. Abgelehnt bei 16 Ja-Voten. Mentrup: „Die Kampagne finden wir falsch“, Karlsruhe biete keine Anschlussunterbringung, Zusagen träfen andere Kommunen.

Joschua Konrad (GRÜNE) war „den Tränen nahe“, nachdem Maier „selbsternannte Friedensretter“ als „verantwortlich“ für Mittelmeerflucht bezeichnet hatte. Die Grünen störten sich an zu enger „Verknüpfung mit einem Kriegsschiff“. Auch Max Braun (KULT) sah keinen Platz „für Krieg, Militarismus“ und „die Möglichkeit, mit dieser Tradition zu brechen.“ GRÜNE- und SPD-Antrag wurden vertagt, Letzterer suchte die Klammer: Parsa Marvi betonte die Verbundenheit zur Marine, die etwa Piraterie bekämpfe. Zugleich seien Voraussetzungen für eine Rettungsschiff-Patenschaft, „Humanität und Nächstenliebe“ zu prüfen, was die Verwaltung nun tut.

Niko Fostiropoulos (LINKE) sah die Flüchtlingslage „unerträglich“ falsch dargestellt, Kriegseinsätze seien stets ökonomisch motiviert. Auch kritisierte er den Spagat der SPD, den Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe) mitmachte für Soldatenheimat und Seenotrettung. Jedes Schiff verpflichte sich zur Rettung, so Marc Bernhard (AfD). Soldaten setzten ihr Leben ein, verdienten so „besondere Wertschätzung“. Jürgen Wenzel (FW) lobte die „Friedensarmee“, fand die kontroverse Vermischung mit Flucht unpassend.

Stefan Schmitt (parteilos) kritisierte indes gezielt die Grünen, Grund für ihr Handeln „sei fehlende Identifikation mit dem heutigen deutschen Staat“. Im damals deutsch besetzten Dänemark geboren, bekannte sich Tom Høyem (FDP) zum Vorbild Bundeswehr: „Stolz sollten wir sein, dass uns eine solche Ehre zuteil wird.“ Der OB befand, was 1912 „auch militaristisch“ begann, setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg so nicht fort. Im wichtigen, lehrreichen Austausch nahm er Soldaten als „sehr reflektiert“ wahr. -mab-

 
 

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