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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Januar 2019

Baum des Jahres: Die Iffe steht in den Auewäldern

Die Flatterulme fällt durch abstützende Brettwurzeln und den asymmetrischen Ansatz der Blattfläche am Stiel auf. Foto: Kienzler

Die Flatterulme fällt durch abstützende Brettwurzeln und den asymmetrischen Ansatz der Blattfläche am Stiel auf. Foto: Kienzler

Foto: Kienzler

Foto: Kienzler

 

Flatter-Ulme ist Baum des Jahres 2019 / Vereinzeltes Vorkommen auch im Oberwald

Die Stiftung „Baum des Jahres“ hat die wenig bekannte und seltene Flatter-Ulme zum Baum des Jahres 2019 gekürt. Die Schirmherrin der Stiftung, Bundesministerin Julia Klöckner, und die Deutsche Baumkönigin 2019, Caroline Hensel, rücken damit die im Volksmund auch Iffe genannte Baumart ins Licht der Öffentlichkeit, die auch in hiesigen Breiten heimisch ist. Wie das städtische Forstamt mitteilt, finden sie aufmerksame Waldbesucher vereinzelt in den Rheinauewäldern, im Oberwald oder beim Grötzinger Baggersee. Ausflügler können den Baum des Jahres aber darüber hinaus auch nordöstlich des Tierparks Oberwald direkt an einem Waldweg bewundern.

Die seltene Flatter-Ulme kommt vor allem in Auewäldern und auf grundwassernahen Böden vor. Sie verträgt sogar Überflutungen von mehr als 100 Tagen im Jahr. Dabei stabilisiert sie sich durch ihre ausgeprägten sogenannten Brettwurzeln – bei einheimischen Baumarten eher selten. Weitere Erkennungszeichen sind laut Forstamt die typische Asymmetrie der Blätter am Blattgrund sowie der meist tief beastete Stamm. Wer im Frühjahr die buschigen Blüten der Flatterulme im Wind betrachtet, ahnt woher sie ihren Namen erhalten hat.

Die Flatter-Ulme hat sich von den drei heimischen Ulmenarten noch am besten gegen eine komplexe Ulmenkrankheit wehren können. Das „Ulmensterben“ wird durch einen aggressiven Pilz verursacht, der die außen im Stamm liegende Wasserleitbahn verstopft. Er wird übertragen durch den Ulmensplintkäfer, eine Borkenkäferart. Der Baumkrankheit fielen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa viele Millionen Ulmen zum Opfer. Auch in Karlsruhes Wäldern gab es früher deutlich mehr Ulmen. Heute bleiben dort alle Ulmen von einer forstlichen Nutzung ausgenommen und damit stehen: im Sinne der Biodiversität. Gelegentlich wachsen junge Flatter-Ulmen aus Naturverjüngung nach. Das Forstamt hofft, dass einzelne Jungbäume alt werden können.

Schon im Mittelalter nutzten die Menschen das Ulmenholz, das auch „Rüster“ genannt wird, zur Herstellung von Langbögen, Felgen, Rädern, Speichen und Wagenkästen. Das Handwerk schätzte dessen Eigenschaften: Ulmenholz ist zäh, mäßig hart, sehr stoß- und druckfest und schwindet recht wenig. Heute ist verbautes Ulmenholz nur noch sehr selten zu finden: in hochwertigen Furnieren, in Möbeln und im Innenausbau. -red-/-trö-

 
 

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