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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. März 2019

Kultur: Ausgehungert nach Inspiration

DIE GEMÄLDE VON MARTHA KROPP zählen zu den Entdeckungen der Ausstellung. Ihre „Bretonischen Kinder“ (1911) zeigen eines brav in Tracht, die beiden anderen barfuß und unkonventionell Foto: Bastian

DIE GEMÄLDE VON MARTHA KROPP zählen zu den Entdeckungen der Ausstellung. Ihre „Bretonischen Kinder“ (1911) zeigen eines brav in Tracht, die beiden anderen barfuß und unkonventionell Foto: Bastian

 

Städtische Galerie: „Paris, Paris!“ Karlsruher Künstler an der Seine 1850 – 1930“

Raus aus der Enge, auf nach Paris. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts galt die französische Metropole als Schmelztiegel der Moderne - hier pulsierte das Leben, nahmen Stilrichtungen wie Freilichtmalerei, Realismus oder Impressionismus ihren Anfang. Wer als Künstler offen für Neues war, den hielt es nicht länger im Korsett der erstarrten heimischen Akademien.

Paris versprach alles – Ausbildung, Studienmaterial, Motivfülle und Austausch. Auch Maler und Bildhauer aus Karlsruhe reisten in das Zentrum der Avantgarde, suchten Motive jenseits geschichtlicher, mythologischer und biblischer Stoffe, ließen sich inspirieren. Wie prägend der Aufbruch war und welche Spuren er hinterließ, zeigt die Städtische Galerie bis 2. Juni in der mit 200 Exponaten bestückten Sonderschau „Paris, Paris! Karlsruher Künstler an der Seine 1850 – 1930“. Die Ausstellung sei ein politisches Statement, werbe für „offene Grenzen“ und „für Europa“, machte Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche deutlich.

Hans Thoma war sichtbar beeindruckt von seiner Begegnung mit Gustave Courbet und Anselm Feuerbach dankte euphorisch jenem „Meister“ im Privatatelier, welcher ihn „von der deutschen Spitzpinselei“ abbrachte und „zu großer Anschauung und Auffassung“ führte. Für den Studenten Otto Laible wurde Paris zur großen und ertragreichen Liebe, er kam immer wieder. Zunächst kopierte er Originale, später galt sein Interesse tristen Vorstadtstraßen und Plätzen fernab touristischer Sehenswürdigkeiten, aber auch den Menschen. Der „Frau am Fenster mit gelbem Kleid“ etwa, die - dem Betrachter abgewandt - aus weit geöffneten Flügeltüren auf das Geschehen blickt.

Jeder fand, was er suchte: Karl Hubbuch skizzierte den Pariser Alltag in zahlreichen Milieustudien, Wilhelm Schnarrenberger entdeckte das monumentale Stadtbild für sich - sein „Boulevard du Montparnasse“ ist Werbemotiv der Schau. Als eine der wenigen Künstlerinnen wagte Martha Kropp 1908 den Sprung in die Weltstadt, ihre Gemälde zählen zu den Entdeckungen der Ausstellung. Die Darstellung der menschenleeren „Straße in Ville d´Avray“ lässt die flirrende Sommerhitze förmlich spüren. Kropp, Absolventin der Karlsruher Malerinnenschule, stellte beim Salon d´ Automne aus und feierte erste Erfolge. Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs musste sie Paris überstürzt verlassen, ließ einen Teil ihrer Werke zurück. -maf-

 
 

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