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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. März 2019

Woche der Brüderlichkeit: „Antisemitismus geht uns alle an“

Stadt gegen Rassismus und Antisemitismus

„Karlsruhe positioniert sich klar gegen Rassismus und Antisemitismus. Den Zustand eines Gemeinwesens erkennt man am besten daran, wie es mit seinen Minderheiten umgeht“, sagte OB Frank Mentrup beim Auftakt der „Woche der Brüderlichkeit“ am Sonntag im Rathaus.

Traditionell organisiert die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Karlsruhe die Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Kinofilmen, Synagogenführung und Theater. Die von vielen Vertretungen der Stadtgesellschaft besuchte Eröffnungsfeier im Rathaus stand unter dem Motto „Mensch, wo bist du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“. Die Festansprache hielt Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus.

„Unserer Stadt ging es immer dann gut, wenn sie Respekt und Weltoffenheit gelebt hat. Wir fördern Aktivitäten, die Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammenführen“, so Mentrup, der auch auf die aktuellen „Wochen gegen Rassismus“ hinwies. Persönlich dankte er Solange Rosenberg von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, ehe er das Wort an Blume übergab, der einen Bogen von der Historie zur Gegenwart spann.

„Früher dachte ich, dass das Thema mit den Alt-Nazis zu Grabe getragen wird. Aber der Hass ist nicht satt zu kriegen“, so Blume und erinnerte, dass die Mythen von der jüdischen Weltverschwörung sowohl im deutschen Nationalsozialismus als auch im arabischen Islamismus Nahrung fänden. Der Irak hatte das älteste Judentum – von den einst 140.000 Juden gebe es heute dort keine mehr. Und: „Ich hätte nie gedacht, dass ich im Landtag einmal Verschwörungstheorien höre“, sagte der Religionswissenschaftler in Richtung AfD.

Blume stellte eine interessante These auf. Immer dann, wenn neue Medien aufkämen, blühten Hirngespinste und antisemitischer Hass. Das sei zu Zeiten des Buchdrucks (Luther Antisemitismus), des Aufkommens des Radios (Verstärker der NS-Ideologie) und heute mit den sozialen Medien im Online-Zeitalter. Blume merkte an, dass Antisemitismus uns alle angehe. Denn der wütende Mob mache nie nach einer Minderheit Halt. Politische Opposition und die vermeintliche „Lügenpresse“ folge. „Es ist ein Problem der Gesamtgesellschaft.“ Beispiel: Die infame Kampagne gegen den jüdischen Millionär George Soros und die EU seitens der rechtspopulistischen ungarischen Regierung.  Dankesworte gab es vom stellvertretenden Dekan Erhard Bechtold, Musik kam vom Yoffe-Quartett. -voko-

 
 

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