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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. April 2019

Werderplatz: Griff zur Flasche geht nicht mehr

GRIFF ZUR FLASCHE VERBOTEN: Dr. Albert Käuflein und Dr. Björn Weiße (von links) hängen mit Bediensteten des KOD Plakate auf dem Werderplatz auf. Foto: Fränkle

GRIFF ZUR FLASCHE VERBOTEN: Dr. Albert Käuflein und Dr. Björn Weiße (von links) hängen mit Bediensteten des KOD Plakate auf dem Werderplatz auf. Foto: Fränkle

 

Auf Werderplatz ist Verbot von Alkoholkonsum in Kraft getreten / Zweites Instrument des Dreierpacks zur Entzerrung der Lage am Indianerbrunnen

Seit dem 1. April gilt auf dem Werderplatz ein Alkoholkonsumverbot. Dies untersagt auf die Dauer von fünf Jahren zu bestimmten Zeiten das Trinken alkoholischer Getränke außerhalb der dortigen Gastronomie. Das Verbot gilt jeweils vom 1. April bis zum 31. Oktober montags bis samstags von 11 bis 20 Uhr.

Großformatige Plakate informieren vor Ort über das Verbot, darüber hinaus Handzettel, die Bedienstete des Kommunalen Ordnungsdiensts (KOD) an Besucherinnen und Besucher des Platzes verteilen. Das zeitweise Verbot des Alkoholkonsums ist das zweite Instrument eines Dreierpacks, den die Stadt zur Entzerrung der zugspitzten Lage rund um den Indianerbrunnen geschnürt hat.

Als erste Maßnahme eröffnete im September 2018 für Menschen aus der Trinkerszene der vom Diakonischen Werk getragene Alkohol akzeptierende Aufenthaltsraum (A³) in der Schützenstraße 2. Nach dem Alkoholkonsumverbot im jetzt zweiten Schritt ist als drittes Werkzeug im Baukasten für die Deeskalation ein Drogenkonsumraum für schwerkranke drogenabhängige Menschen vorgesehen. Dieses Angebot, das Ende März ein Beschluss der Landesregierung ermöglichte, soll ab Spätsommer in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt bei der Anlauf- und Beratungsstelle „get IN“ in der Kriegsstraße zur Verfügung stehen.

Er sei „zuversichtlich, dass das Gesamtpaket die Situation verbessert“, betonte Bürgermeister Dr. Alber Käuflein, als er vorige Woche auf dem Werderplatz zusammen mit dem Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts, Dr. Björn Weiße, den Medien Hintergründe und Inhalte des Alkoholkonsumverbots vorstellte. Dabei verdeutlichte Käuflein aber auch, die Stadt wolle „keineswegs betroffene Personen aus dem öffentlichen Raum vertreiben“, sondern vielmehr die Lage am Werderplatz „deutlich und dauerhaft verbessern“.

Zur Zuspitzung der Situation und zur Suche nach neuen Wegen des Handelns hatte eine in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitete Trinkerszene geführt, ein Wechsel in deren Zusammensetzung sowie die Häufung von Belästigungen, weiteren Ordnungswidrigkeiten und Straftaten. So hatte allein der KOD vergangenes Jahr 2018 knapp 150 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, 70 Platzverweise ausgesprochen und vier vorläufige Festnahmen getätigt. Dabei seien zeitgleich „bis zu 80 Angehörige der Trinkerszene vor Ort gewesen“, nannte Weiße dazu Zahlen. Und diese Fakten hätten bei Weitem ausgereicht um den Werderplatz als „Brennpunkt“ ausweisen zu können. Diese Einordnung ist die rechtliche Voraussetzung für die neue Möglichkeit im Polizeigesetz nach Erlass eines Alkoholkonsumverbots.

Diese Verbotskarte hatte dann die Stadt nach einem Beschluss des Gemeinderats gezogen. Bei Nichtbeachten des Verbots sind Bußgelder von 50 bis zu theoretisch 5.000 Euro möglich. Doch der Stadt gehe es nicht um Repression, so Weiße, vielmehr um Aufklärung und Verbesserung. Die Bürger-Gesellschaft der Südstadt ist laut Vorsitzender Dr. Martina Hillesheimer „skeptisch, ob das Verbot wirkt“, trage aber den Prozess mit.

Alles andere als skeptisch, vielmehr „positiv überrascht“ zeigte sich der Direktor des Diakonischen Werks, Wolfgang Stoll, von der Zwischenbilanz des Bausteins Nummer eins. Eine entspannte Atmosphäre im A³ stoße auf „breite Resonanz in der Szene“ sprach Stoll von 30 bis 40 Menschen, die sich täglich in der Anlaufstelle aufhielten. -trö-

 
 

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