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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. April 2019

Vor 200 Jahren: Start für das erste Parlament

BLICK in den Sitzungssaal der zweiten Kammer des 1822 erbauten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ständehauses. Repro.  StA

BLICK in den Sitzungssaal der zweiten Kammer des 1822 erbauten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ständehauses. Repro. StA

 

Eröffnung der Versammlung

Noch war das Parlamentsgebäude nicht gebaut. Das Ständehaus als deutschlandweit erstes Gebäude seiner Art sollte erst am 2. November 1822 seine Tore öffnen. Der erste badische Landtag, die Versammlung der Stände, tagte da freilich schon über drei Jahre.

Legitimiert von der damals fortschrittlichsten Verfassung vom 22. August 1818, traten die Abgeordneten der Ersten und Zweiten Parlamentskammer das erste Mal am 22. April 1819 im Gartensaal des badischen Residenzschlosses zusammen. Voraus ging ein Gottesdienst in der Schlosskirche, dann empfing eine Deputation beider Kammern unter Kanonendonner Großherzog Ludwig, die badischen Prinzen und die „Oberhofchargen“. Vom Thron aus sprach erst Ludwig, dann der Regierungschef, Staatsminister Wilhelm Freiherr von Berstett, bevor es zum Bankett ging.

Den festlichen Abschluss bildete Rossinis Oper „Elisabeth“ im Hoftheater, bei der die Deputierten  „mit Pauken- und Trompetenschall und Freudenbezeugungen empfangen wurden“ schrieb die Karlsruher Zeitung am Tag darauf. Der Großherzog hatte ihnen in seiner Rede versichert, „Gerechtigkeit und Ordnung mit Kraft (zu) handhaben, und die Konstitution bis auf den letzten Buchstaben gewissenhaft (zu) erfüllen (…)“.

Um das von Napoleon neu zusammengesetzte und erheblich vergrößerte Land nach vielen Kriegen und Verwüstungen zu einen und den Menschen eine neue Identität zu geben, „zähle“ er aber auch „auf Ihre Weisheit, auf den Frieden ihrer  Gesinnungen und auf die Treue ihrer Herzen“ appellierte er an die Abgeordneten. Berstett bat  sie ebenso, sich für das Wohl des Landes einzusetzen und verwies trotz aller Probleme auf Fortschritte in Landwirtschaft und Handel , über „160 größere und kleinere Manufakturen und Fabriken“, die Tausenden „Arbeit und Nahrung“ gäben oder  neue „Verbindungsstraßen“  und  schloss mit Großherzog Karl Friedrich, „daß das Glük des Regenten von der Wohlfahrt Seines Landes unzertrennlich sey“. -cal-

 
 

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