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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Mai 2019

Stadtgeschichte: Von den Nazis verfemt

Georg Bredig

Georg Bredig

 

Physikochemiker Georg Bredig vor 75 Jahren gestorben

Im Jahr 1911 berief die Technische Hochschule Karlsruhe (TH) mit Georg Salomon Julius Bredig einen international renommierten und mit vielen Ehrungen versehenen Wissenschaftler an das Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie. Er war Nachfolger von Fritz Haber, der an das Kaiser-Wilhelm-Institut nach Berlin gegangen war, und erst der dritte Direktor des Instituts, dem er 22 Jahre vorstehen sollte.

Im schlesischen Glogau 1868 geboren, studierte Bredig nach dem Abitur am dortigen katholischen Gymnasium bis zur Promotion 1894 in Freiburg, Berlin und Leipzig. Zu seiner wissenschaftlichen Qualifizierung ging er für Studien nach Amsterdam, Paris und Stockholm ehe er sich 1901 in Leipzig habilitierte. Seine wissenschaftlichen Forschungen zur angewandten Chemie gründeten auf den Entdeckungen seines Leipziger Lehrers Wilhelm Ostwald zur Katalyse. Bredig wurde darauf aufbauend zum Entdecker und Begründer der kolloidalen Katalyse-Forschung, ein Meilenstein für den ihn die heutige chemische Industrie noch besonders würdigt.

1922 wurde Bredig zum Rektor der TH gewählt. Seine Rektoratsrede unter dem Titel Denkmethoden der Chemie erregte wegen ihres politischen, pazifistischen Inhalts und der Forderung nach den „Vereinigten Staaten von Europa“ großes Aufsehen. Deswegen wurde er, der vom Judentum zum Protestantismus konvertiert war, zum Ziel nationalistischer und antisemitischer Hetze. Bredig war seit 1919 Mitglied der liberalen Demokratischen Partei Deutschlands (DDP).

Die Angriffe gegen ihn verschärften sich, als er einem Nationalsozialisten einen TH-Raum versagte. So sollte er 1933 entlassen werden, was aber zunächst scheiterte. Bredig, von einem Institutsmitarbeiter bespitzelt, resignierte und musste im selben Jahr emeritieren. Schwer gezeichnet emigrierte er 1939 in die Niederlande und entkam im Frühjahr 1940 in die USA, wo sein Sohn seit 1937 lebte. Seiner Pensionsansprüche beraubt, starb er verarmt am 24. April 1944 in New York. -jsk-

 
 

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