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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Mai 2019

Gutachten: Schmelztiegel City

TRADING-DOWN-EFFEKT heißt das Phänomen, das die östliche Kaiserstraße in den vergangenen Jahren erlebt: Weniger wertige Angebote, Leerstand und ausbleibende Kaufkraft sind die Folgen. Foto: Fränkle

TRADING-DOWN-EFFEKT heißt das Phänomen, das die östliche Kaiserstraße in den vergangenen Jahren erlebt: Weniger wertige Angebote, Leerstand und ausbleibende Kaufkraft sind die Folgen. Foto: Fränkle

 

Zukunftsfähigkeit der Karlsruher Innenstadt / Einkaufen und Erlebnis sind untrennbar verbunden

„Die Kaiserstraße wird zu einer Bühne, wenn die Straßenbahn erst unter der Erde fährt“, wagte Christian Hörmann einen Blick in Karlsruhes gar nicht mehr so ferne Zukunft. Als Fachmann der CIMA Beratung und Management GmbH begleitet er die Fächerstadt seit knapp zwei Jahren durch einen breit angelegten Beteiligungsprozess, dessen erstes handfestes Ergebnis nun ein zweibändiges Gutachten darstellt.

Diesen Einblick in die „Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030“ stellte er gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup am vergangenen Dienstag der Öffentlichkeit vor. Wo klemmts, wo finden sich Positivbeispiele? „Ernüchternd war für uns die Erkenntnis, dass die Rahmenbedingungen für die City nicht nur aufgrund von Kombilösungsarbeiten, sondern vor allem auch angesichts allgemeiner Trends wie Online-Shopping immer schwieriger werden“, berichtete OB Mentrup. Damit Karlsruhe seine Magnetkraft auf die Region nicht verliert und stattdessen weiter ausbauen kann, will die Stadtverwaltung nun in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren die vom Gutachten empfohlenen Maßnahmen umsetzen.

Mit im Boot sind Einzelhändler, Gewerbetreibende, Immobilienbesitzer, Bildungseinrichtungen und Kulturinstitutionen. „Sie werden sehen, dass wir Einiges sogar schon vor dem Ergebnisbericht angegangen sind“, freute sich das Stadtoberhaupt. Beispiele seien etwa die kürzlich vorgestellte SOKO Schmierfink gegen Graffiti oder das Aufstellen von Palmen und Stadtmobiliar auf dem Marktplatz. Denn Grundlage weiterer Überlegungen ist die Tatsache, dass Besucherinnen und Besucher der Innenstadt ihren Einkauf möglichst mit einem Erlebnis verbinden wollen – sei es kultureller Art oder als Einkaufs-Event an sich. „Die Menschen wünschen sich Aufenthaltsräume im Freien, aber auch schöne Plätze mit Außengastronomie oder Angebote wie die Schlosslichtspiele“, so Mentrup. Belebung der Stadt heiße die Zauberformel. „Die City ist ein Schmelztiegel“, bekräftigte auch Hörmann.

Schon historisch sei das immer so gewesen, und nun müsse man mit sich stetig verändernden Rahmenbedingungen arbeiten, sie als Chance sehen. Karlsruhe lobte er dabei explizit als stark veränderungswillig. „Ich habe hier eine Stadt kennengelernt, die misst, bewertet und nachsteuert“, sagte der beeindruckte Experte. Um die City attraktiv zu halten, sollen in der ganzen Innenstadt sowie speziell auf sechs Achsen 124 Maßnahmen aus den Themenfeldern Digitalisierung, Einzelhandel, Immobilien, Management, Marketing, Mobilität, Öffentlicher Raum und Sicherheit / Ordnung / Sauberkeit eingeleitet werden. Neben der „Zentralen Achse – Zirkel/Marktplatz/Ettlinger Tor“ liegt der Fokus auf „Zentraler Kaiserstraße“, „Östlicher Kaiserstraße“, der Verbindung „Waldstraße/Karlstraße/Erbprinzenstraße/ Herrenstraße“, auf der „Westlichen Kaiserstraße bis Stephanienstraße inklusive Kaiserpassage“ sowie auf der „Östlichen City“.

Etwa soll auf der Zentralen Achse ein durchgängiges City-Erlebnis geschaffen werden – die Neukonzeption eines Marktes oder des Christkindlesmarktes fallen ebenso unter die Pläne wie die Belebung der EG-Zonen am Marktplatz. Auf der Kaiserstraße geht es beim Sorgenkind Europaplatz um die Gründung einer Immobilieneigentümer-Interessen-gemeinschaft und stärkere Beleuchtung der Arkaden. Besonders die östliche Kaiserstraße erlebt derzeit einen Trading-Down-Effekt und könnte durch – etwa studentisches – Wohnen und Arbeiten aufgewertet werden. Die Kaiserpassage dagegen leidet unter Durchgangsverkehr, Graffiti und Schmuddel-Image ohne gute Anbindung an die Kaiserstraße. Verändern sollen sich solche Punkte nun peu à peu. -bea-

 
 

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