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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Mai 2019

Verfassungsfest: Den roten Roben nahe gekommen

EIN- UND ANBLICKE im BVerfG: Das rote Barett der Richter. Foto: Knopf

EIN- UND ANBLICKE im BVerfG: Das rote Barett der Richter. Foto: Knopf

 

Tag der offenen Tür beim Bundesverfassungsgericht / Historie und Theater

Es war eine seltene Gelegenheit, die Viele nutzten. Zum Grundgesetz-Jubiläum öffnete das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) seine Pforten. Ein Blick hinter die Kulissen des höchsten Gerichts der Republik brachte das aus Sicherheitsgründen auf 5.000 Besucher begrenzte Publikum bei freiem Eintritt den roten Roben nah.

Hier ein Selfie mit BVerfG-Präsident Andreas Voßkuhle, dort ein Gespräch mit einem Richter oder einfach die endlos langen Flure entlanggehen, den Sitzungssaal mit dem Bundesadler in Augenschein nehmen. „Normalerweise sieht man das ja nur im Fernsehen. Da ist man schon ein bisschen stolz, wenn es heißt ‚Karlsruhe entscheidet‘, direkt aus unserer Heimat“, meinte ein Paar aus Pfinztal. Eine Gruppe junger Rechtsreferendare schaute sich die Ahnengalerie mit Porträts der früheren Richter an, während eine Architektin am Gebäude interessiert war. „Ich finde den Rasterbau beeindruckend. Es hat den Ausdruck von Offenheit, ist Zeuge seiner Zeit.“

In diversen Ausstellungen erfuhr man etwa, dass die Richter von BVerfG und Bundesgerichtshof zu-nächst die gleiche Amtstracht trugen. 1961 wurden die bekannten roten Roben entworfen – von der Kostümabteilung des Badischen Staatstheaters. Bis heute werden keine neuen angefertigt, sondern die alten ausgebessert und Nachfolgern weitergegeben. Historisch war viel zu erfahren: Unter anderem, dass die Fächerstadt mit Köln um den Sitz konkurrierte. Kanzler Konrad Adenauer präferierte seine rheinische Heimat. Doch Karlsruhe, seines Hauptstadt-Status ledig, hatte geeignete Gebäude im vom Krieg zerstörten Deutschland.

Am Ende war Köln nicht in der engeren Auswahl, Karlsruhe setzte sich gegen Braunschweig und Kassel durch. Das Prinz-Max-Palais war erster Standort. „Ach, die Büros sind gar nicht so groß“, meinte eine Frau erstaunt. Derweil erklärte ein Richter im lockeren Talk mit einem Journalisten seine Tätigkeit. Unter anderem, dass der erste Senat (es gibt zwei) 95 Prozent der Verfassungsbeschwerden der Bürger bearbeitet. Spektakulär war die Performance des Gorki-Theaters auf dem Balkon. „Grundgesetz – ein chronischer Stresstest“ hieß das Stück von einem 50-köpfigen Chor, der die Gesellschaft in all ihren Facetten repräsentierte. -voko-

 
 

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