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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Juni 2019

Geschichte: Schau über Markgraf Bernhard II. im Generallandesarchiv

STATUE Bernhards II. aus der Fürstenkapelle des Klosters Lichtenthal. Foto: Vermögen und Bau Baden- Württemberg, Eckmann

STATUE Bernhards II. aus der Fürstenkapelle des Klosters Lichtenthal. Foto: Vermögen und Bau Baden- Württemberg, Eckmann

 

„Einen Bogen durch die Kulturgeschichte Badens“ will das Generallandesarchiv mit der bis 22. November laufenden Ausstellung „Ritter-Landespatron-Jugendidol. Markgraf Bernhard II. von Baden“ schlagen. Der trotz auch jüngster Bemühungen vor 250 Jahren 1769 lediglich selig, aber wegen des fehlenden Wunders bisher nicht heilig gesprochene Fürst, dessen Namen auch der heutige Geschäftsführer des Hauses Baden, Prinz Bernhard, trägt, diente als Projektionsfläche für ganz unterschiedliche Wünsche, Ängste und Feindbilder im Lauf der Jahrhunderte.

Gestorben 1458 in Moncalieri nahe Turin bei der Vorbereitung einer Pilgerreise nach Jerusalem, ist wenig über sein Leben bekannt. Das Haus Baden, für das der Markgraf wie für Moncalieri und das Bistum Freiburg Schutzpatron ist, hat dafür seine „Ikone“, das Andachtsbild (1480)  des jugendlichen Turnierkämpfers beigesteuert. Angeblich die wahren Gesichtszüge Bernhards gibt die spätmittelalterliche Statue aus dem Kloster Lichtenthal, später immer wieder kopiert, etwa in dem wertvollen Stundenbuch Christophs I. wieder.

Seit  dem Kreuzzug zur Befreiung Konstantinopels wird er zu einem jugendlichen „Retter“ stilisiert, auch  noch in den Türkenkriegen des 18. Jahrhunderts. 1755 gelangt sein zum ausgestreckten, „wegweisenden“ Arm umgedeutetes Schienbein als Reliquie nach Rastatt, um nach Aussterben der katholischen Linie fortan die Katholiken zu beschützen. Diese Rolle wird im Kirchenkampf des 19. Jahrhunderts noch verstärkt. Zur Versöhnung stiftete der evangelische Großherzog Friedrich I. die Statue an der 1902 geweihten und von ihm ermöglichten Kirche St. Bernhard. Nach 1945 wurde  Bernhard, letztlich erfolglos, noch als Jugendidol gegen   Konsumfreude und Sittenlosigkeit inszeniert, dokumentiert  durch Fotos von Prozessionen. -cal-

 
 

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