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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. Juni 2019

Kombilösung: Riesenchance gemeinsam nutzen

UMBAU KRIEGSSTRASSE LÄUFT: Das zweite Teilprojekt der Kombilösung liegt im Zeitplan. Ende 2021 sollen Trams über die oberirdischen Gleise fahren, im Tunnel darunter die Autos. Foto: KASIG

UMBAU KRIEGSSTRASSE LÄUFT: Das zweite Teilprojekt der Kombilösung liegt im Zeitplan. Ende 2021 sollen Trams über die oberirdischen Gleise fahren, im Tunnel darunter die Autos. Foto: KASIG

HOCHBETRIEB: Im Tunnel unter der Kaiserstraße sind die Arbeiter beauftragter Firmen beim Einbau der Gleise zu Gange. Foto: KASIG

HOCHBETRIEB: Im Tunnel unter der Kaiserstraße sind die Arbeiter beauftragter Firmen beim Einbau der Gleise zu Gange. Foto: KASIG

 

OB Mentrup sieht Kombilösung als Motor der Stadtentwicklung / Debatte im Gemeinderat zu Kostensteigerung und Zeitverzögerung bei Großprojekt

Nach der Prognose vom März 2019 steigen die Gesamtkosten für die Kombilösung auf 1,3 Milliarden Euro. Im September 2017 ging die Annahme noch von 1,2 Milliarden Euro aus. Und statt Ende 2020 rollen die ersten Stadtbahnen wohl erst Mitte 2021 durch den Tunnel unter der Kaiserstraße. Der aktuelle Sachstandsbericht, der Kostensteigerung und Verzögerung ausweist, war jetzt Thema im Gemeinderat.

Der Bericht, den der Gemeinderat auf seiner jüngsten Plenarsitzung am Dienstag zur Kenntnis nahm, informiert aber auch detailliert über den Fortschritt der Arbeiten am Jahrhundertprojekt, das einen Bahntunnel unter der Kaiserstraße sowie den Umbau der Kriegsstraße mit oberirdischer Straßenbahntrasse und Tunnel für den Autoverkehr umfasst. So sind laut der von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) als Bauherrin vorgelegten Expertise alle sieben neuen unterirdischen Haltestellen des Bahntunnels im Rohbau fertig gestellt.

Der Innenausbau läuft, die Aufzugsrampen sind am Platz, in den Röhre herrscht beim Gleisbau Hochbetrieb. Ziel ist weiterhin, den unterirdischen Ausbau bis Ende 2020 hin zu bekommen. Dann folgen Probebetrieb und offizielle Inbetriebnahme voraussichtlich zum Fahrplanwechsel im Sommer 2021. Oberirdisch ist der Verkehrsknoten am Durlacher Tor wieder hergestellt, der Kaiserplatz gleicht auch landschaftsgärtnerisch wieder dem Original. Und der Marktplatz bekommt Schritt für Schritt seine neue Gestalt (siehe Beitrag „Neuen Marktplatz virtuell erleben“). Die Arbeiten beim Kriegsstraßenumbau liegen im Zeitplan. Das Baufeld hat derzeit seine größte Ausdehnung. Ende 2021 soll das zweite Teilprojekt der Kombilösung fertig sein.

Stadt wird attraktiver

OB Dr. Frank Mentrup sah in der Debatte im Plenum das Jahrhundertprojekt gerade vor dem Hintergrund einer weiter wachsenden Stadt als „Riesenchance“, die steigende Zahl an Verkehrsteilnehmern zur Nutzung des ÖPNV zu bewegen. Mentrup: „Diese Gelegenheit sollten wir gemeinsam nutzen“. Nicht nur gegen den Verkehrsinfarkt, sondern auch in Sachen Lebensqualität sei die Kombilösung von besonderer Bedeutung, hob der OB den Umbau der Kriegsstraße als „ungemein positiven Schritt der Stadtentwicklung“ hervor.

Für die Kostensteigerung, die jetzt auch das „Worst-Case-Szenario“ überschreite, machte er vor allem den nicht einzukalkulierenden Sprung bei den Baupreisen verantwortlich. Die seien in den vergangenen beiden Jahren um 13 Prozent in die Höhe gegangen, gerechnet habe man mit jährlich 2,3 bis drei Prozent. Dankbar zeigte sich Mentrup darüber, dass Bund und Land trotz der Steigerungen 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernehmen.

Für die CDU lobte Stadtrat Sven Maier den Bericht und war sich sicher, dass die Stadt für die Einschränkungen „den Bürgern künftig etwas zurückgeben kann“. Die Kombilösung werde „Karlsruhe attraktiver machen“. Gleichwohl sah er bei den vom OB eingeleiteten Verbesserungen „noch Luft nach oben“ und forderte mehr Transparenz. SPD-Stadtrat Michael Zeh freute sich „auf die erste Fahrt mit der Bahn durch den Tunnel“ und machte den „hochkomplexen Bauablauf“ für Verzögerungen und Kostensteigerungen verantwortlich.

Für die GRÜNE-Fraktion kritisierte deren Vorsitzender Johannes Honné, „dass der U-Strab-Bau jedes Jahr 100 Millionen Euro teurer wird“ und verwies vor allem auf die für nach dem Bau „bleibenden Kosten, die die Stadt abzubezahlen hat“ Diese würden deren Handlungsfähigkeit „stark einschränken“. Es gelte dann „50 Jahre lang 50 Millionen Euro jährlich abbezahlen“, verdeutlichte Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die LINKE).

Durch die Kombilösung würden sicherlich noch weitere Kosten auf Karlsruhe zukommen, sah Stadtrat Uwe Lancier (KULT) das Großprojekt aber auch als „Investition in den Klimaschutz“. Stadtrat Tom Hoyem (FDP) freute sich, beim Bau des Projekts „ein Ende zu sehen“. Und Stadtrat Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe) warb dafür, durch „klare und verlässliche Informationen“ das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. -trö-

 
 

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