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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. Juli 2019

Kultur: Museum der Zukunft wird real

BEI DER VORLAGE eines Schwertes: Chefexplainer Dr. Alexander Wolny in der Expothek im Untergeschoss des Badischen Landesmuseums. Im Hintergrund Medientische und Exponateregale. Foto:pr

BEI DER VORLAGE eines Schwertes: Chefexplainer Dr. Alexander Wolny in der Expothek im Untergeschoss des Badischen Landesmuseums. Im Hintergrund Medientische und Exponateregale. Foto:pr

 

Im Schloss erlaubt „Archäologie in Baden“ ab 13. Juli komplexe Entdeckungsreisen

„Der Kontrast zwischen so alten Museumsexponaten und modernster Technik ist faszinierend“ ist die junge Besucherin Judith Springer von der neuen Sammlungsausstellung „Archäologie in Baden“ beeindruckt.

Zu erleben sind die frühesten Zeugnisse menschlicher Kultur von etwa 600 000 vor  bis 800 nach Christus im Badischen Landesmuseum (BLM) direkt, via „ExpoPhone“, der digitalen Lupe, an Medientischen und in dreidimensionalen Welten erstmals ab 13. Juli beim Museumsfest zum 100-jährigen Bestehen. Schlüssel für diese  neuartige Erfahrung  ist der digitale, zwölf Euro günstige  Nutzerausweis als ganzjährige Eintrittskarte. Sie kann aber noch wesentlich mehr. „Als Sesam öffne dich“ ist die “Scheckkarte“  Schlüssel zum Wissen über  die Exponate an den Vitrinen  und liefert komplexere Informationen als jegliches Schildchen. Auch kindergerecht mit Robotermaskottchen  „Expi.1“. Sie ermöglicht zudem die Bestellung von Objekten zur Vorlage, die Recherche im BLM-Online-Katalog, das Speichern von Lieblingsstücken und Höchstpunktzahlen bei Computerspielen.

Vor Ort trifft das Publikum in der dreigeteilten, 600 Quadratmeter großen Schau mit über 1600 Stücken zuerst auf 13 Highlight-Stationen mit Zeitleiste zu den wesentlichen Entwicklungsschritten der Ur- und Frühgeschichte. Darunter die Replik des Unterkiefers des „ersten Menschen“ aus Heidelberg, Faustkeile, Beile und früheste Metallobjekte. Höhepunkte sind der in ein Bronzedrahtgehänge  gefasste Neureuter Eberzahn (um 1150 vor Christus), der keltische Heidelberger Kopf und ein in Altlußheim aufgetauchtes, vermutlich aus Südrussland stammendes Schwert, verziert mit tiefroten Almandinen um 500. Herzstück ist als zweiter Raum die Expothek als Forschungslabor. Explainerinnen und Explainer legen hier die bestellten Objekte vor, so dass sie mit Handschuhen angefasst werden können, vom 50.000 Jahre alten Faustkeil bis zum frühmittelalterlichen Schwert. Geholfen wird aber auch bei der Nutzung des ExpoPhones vor Vitrinen und über Schubladen, voll mit den Museumsschätzen.

Das wie ein Smartphone wirkende ExpoPhone wird mit der Eintrittskarte aktiviert. Medientische  erlauben eine spielerische Auseinandersetzung mit selbst gewählten Objekten. Moderne „Jäger und Sammler“ können sich auf die Suche nach virtuellen Tierchen machen oder einer Schnitzeljagd folgen. Eine 3D-Digitalisierungsstation erlaubt das Erforschen kleinster Details der vorgelegten Stücke und speichert sie gleichzeitig so in die Museumsdatenbank. Im dritten Raum, dem Expolab werden die Museumsschätze in 360-Grad-Panoramen in ihre ursprüngliche Umgebung eingebettet, visualisiert über das Schicksal eines Kriegers, dem Leben im Langhaus oder dem Herstellungsprozess in einer Metallgießerei. Alles in allem: der bisher einzigartige Startschuss für das Museum der Zukunft. -cal-

 
 

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