Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Juli 2019

Taubenkonzept: “Wir locken Tauben von der Straße”

HEIMAT FÜR 350 Tiere bietet der Taubenschlag in der Blumenstraße. Im Bild von links: Frauke Nagel, BM Käuflein und Ursula Jäger. Foto: Fränkle

HEIMAT FÜR 350 Tiere bietet der Taubenschlag in der Blumenstraße. Im Bild von links: Frauke Nagel, BM Käuflein und Ursula Jäger. Foto: Fränkle

 

Bilanz nach sechs Monaten Stadttaubenmanagement / Ehrenamtliche tauschen Eier gegen Gipsattrappen / Bestand reduziert sich ständig

Tauben tummeln sich auf den Karlsruher Plätzen und Gebäuden nur wenige im Vergleich zu anderen Städten. Das liegt vor allem an sechs Taubenschlägen, die vom Verein Stadttaubenkonzept Karlsruhe betreut werden.

Die Ehrenamtlichen arbeiten nach dem sogenannten Augsburger Modell, zu dem sich 2018 auch der Gemeinderat bekannte. Seit dem vergangenen November setzt der Verein in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe das Stadttaubenmanagement um - und kann bereits Erfolge vorweisen. Der Bestand der betreuten Tiere hat sich seither von 260 auf mehr als 1100 erhöht.

„Tauben brüten dort, wo sie Nahrung finden“, erläutert Frauke Nagel. Sie gehört zum Kernteam der Ehrenamtlichen, die regelmäßig Wasser und Nahrung zu den Taubenschlägen bringen und am Wochenende dort sauber machen. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Albert Käuflein und der Vorsitzenden des Arbeitskreises Tierschutz im CDU-Kreisverband Karlsruhe-Stadt, Ursula Jäger, stellte sie das Taubenkonzept vor und gewährte Einblick Taubenschlag im Zentrum der Stadt.

Dieser befindet sich im Speicher des Schul- und Sportamts in der Blumenstraße 2a. Die Tiere leben dort in sauberer Umgebung, finden Brutstätten, artgerechte Nahrung und Wasser. „Wir locken so die Tauben aus der Stadt in die Schläge und tauschen ihre Eier gegen Gipsattrappen“, erklärt Nagel.

Inzwischen werden rund 380 Eier pro Monat ersetzt. So funktioniere Bestandregulierung: Monatlich verringere sich der Taubenbestand um 380 Tiere, jährlich kommen 4.500 Tauben weniger dazu. Die Gelege werden an Rabenkrähen verfüttert. „Auch sie gewöhnen sich an das Futter und ziehen weniger Müll aus den öffentlichen Abfalleimern.“ Finanziert wird die Arbeit aus städtischem Budget mit bis zu 12.000 Euro pro Jahr. „Wir unterstützen die Arbeit nach dem Augsburger Modell, weil wir sie für tiergerecht halten“, bekräftigte Bürgermeister Käuflein.

Auch im Sinne des Tierschutzgesetzes, dessen erster Paragraph Tiere als „Mitgeschöpfe“ definiere, sei etwa das im vergangenen Jahr zur Debatte gestandene „Basler Modell“, bei dem die Tiere ausgehungert und sogar getötet werden, nicht akzeptabel. Der Verein Stadttaubenkonzept arbeitet stattdessen auf der Grundlage, dass Stadttauben keine Wildtiere, sondern verwilderte Haustiere sind – nämlich ehemalige Brief-, Haus- und Zuchttauben.

Ihr Flugradius umfasst lediglich 200 Meter, sie haben im Gegensatz zu Wildvögeln keinen Bewegungsdrang und sind ihrem Taubenschlag sehr treu. Schläge befinden sich in Grünwinkel, am Mühlburger Tor, in der Blumenstraße, am Durlacher Tor, auf dem Schlossplatz sowie in Durlach. Auf dem Kronenplatz betreut das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) seit 2002 einen Taubenschlag. -bea-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe