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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Juli 2019

Badisches Landesmuseum: Wie sich ein Museum neu erfindet

„DA IST DER TAG GERETTET“, fand Landesvater Kretschmann, als er in der Expothek ein 3.000 Jahre altes Schwert in der Hand hielt. Foto: Fränkle

„DA IST DER TAG GERETTET“, fand Landesvater Kretschmann, als er in der Expothek ein 3.000 Jahre altes Schwert in der Hand hielt. Foto: Fränkle

 

Badisches Landesmuseum feierte mit Ministerpräsident Kretschmann 100. Geburtstag

Die Schatzkammer Badens, das im November 1919 gegründete Badische Landesmuseum (BLM), das rund 500.000 Kostbarkeiten beherbergt, feierte jetzt mit einem Festakt seinen 100. Geburtstag.

Im ehemaligen Residenzschloss, aus dem Großherzog Friedrich II. während der Novemberrevolution 1918 geflohen war, wurden bis 1936 die seit dem 16. Jahrhundert zusammengetragenen fürstlichen Sammlungen zur Altertumskunde aus dem Mittelmeerraum und Baden, zu Völker- und badischer Volkskunde, die Bestände des Kunstgewerbemuseums, die Türkenbeute und das Münzkabinett für das Publikum aufgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg ab Ende 1939 geschlossen, evakuierte man die Bestände nach dem ersten Luftangriff im April 1944 hastig, etwa in das Gefängnis Pfullendorf, die Schlösser Salem, Langenstein und Baden-Baden sowie das Salzbergwerk Heilbronn. Gerade noch rechtzeitig, denn am 27. September brannte das Schloss bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Krieg setzte sich nach Zwischenlösungen Direktor Rudolf Schnellbach für den nicht überall selbstverständlichen Aufbau des Schlosses ein.

Bis 1954 stand als ein Karlsruher Wahrzeichen und erstes Gebäude der Turm, bis 1958 wurde der Mittelteil rekonstruiert. So konnte  das Museum am 29. Mai 1959 partiell und 1966 vollständig wiedereröffnet werden. Auf der Strecke geblieben waren zugunsten der heutigen, 650 Quadratmeter großen Säle die barocken, durchaus rekonstruierbaren Zimmerfluchten. An die erste große Sonderausstellung über die Türkenbeute 1955 knüpft jetzt ab Oktober die Schau „Kaiser und Sultan“ an, mit Fokus auf den Kulturaustausch von Orient und Okzident.

Seit 1958 erweiterte  das  BLM, dem landesweit mehrere Zweigmuseen angeschlossen sind, dank Lotto-Toto-Mitteln seine Bestände, ebenso wie durch die Versteigerungen des Hauses Baden 1995. Zugänglich sind die Sammlungen inzwischen auch in digitalen Katalogen und Internetportalen. Zunächst von den Direktoren Ernst Petrasch und Volker Himmelein puristisch und singulär, von Harald Siebenmorgen dann im europäischen und kulturgeschichtlichen Kontext theatral inszeniert, liegt es nun an  Eckart Köhne, ab 2023/24 das Haus umfassend zu sanieren und es ins digitale Zeitalter zu führen.

Testfeld dafür ist die bundesweit einzigartige  „Archäologie in Baden“. Dort kann man sich mittels Expophone  über die Exponate digital informieren und sich nach Vorbestellung von Explainern Echtes in die Hand geben lassen. Auch dank  digitaler Vernetzung könne das Publikum nun mit dem Museum als Moderator in Dialog treten, teilhaben und müsse sich nicht mehr belehren lassen, so Köhne.  Geplant ist, mit den Menschen weiter an neuen Formaten  zu arbeiten. Begeistert  hat er  Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Chapeau! Das hat mich wirklich beeindruckt!“ Damit sei das BLM „eines der innovativsten Museen weit und breit“. Das fand  auch Bürgermeister Albert Käuflein, der als Stadt-Geschenk eine Majolika-Schlossansicht übergab.-cal-

 
 

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