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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. August 2019

Klärwerk: Erneuerung und Revision notwendig

DAS KARLSRUHER KLÄRWERK ist eine hochtechnische Anlage, die regelmäßig erneuert und gewartet werden muss. Foto: Fränkle

DAS KARLSRUHER KLÄRWERK ist eine hochtechnische Anlage, die regelmäßig erneuert und gewartet werden muss. Foto: Fränkle

 

Verbrennungslinien im Klärwerk außer Betrieb / Mobile Entsorgung durch Firma / Gerüche bei höheren Temperaturen unvermeidbar

Gerüche, die direkt aus dem Klärwerk kommen, sind dort höchstens in einem Radius von 500 Metern wahrnehmbar, informierte der Leiter der Stadtentwässerung, Albrecht Dürr, am Dienstag bei einem Pressegespräch vor Ort.

Keinesfalls aber in Durlach oder in der Innenstadt. Außerdem besteht Klärschlamm ausschließlich aus Bakterienmasse und weist einen erdigen Geruch auf. Fäkalartige Gerüche oder der bekannte Geruch von faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) sind hingegen beim Umschlag des entwässerten Klärschlamms nicht zu befürchten. Eine solche mobile Notentsorgung durch eine Firma ist im Moment einerseits notwendig, weil die Verwertungslinie 2 erneuert wird. Das verzögerte sich, da die ursprünglich beauftragte Firma in Konkurs ging. Der nun gefundene Auftragnehmer, auch neuerliche Suche und Vergabe waren aufwendig, soll die Arbeit bis Ende diesen Jahren erledigt haben.

Den Zeitverlust konnte die erfahrene Betriebsmannschaft mit der sonst nur im Wechsel gefahrenen Linie 1 höchst bemerkenswert und belastend mehrere Jahre auffangen. Bei rund 400.000 angeschlossenen Einwohnern samt Gewerbe aus Karlsruhe und Umgebung fallen immerhin täglich etwa 100 Tonnen Klärschlamm an. Seit 29. Juli war aber auch diese Linie wegen Schäden an der Rauchgasreinigung sowie für die bis Mitte September dauernde Revision abzuschalten. Erneuert werden für rund zwei Millionen Euro der Anfahrbrenner, teilweise die Ofenausmauerung und der Venturiwäscher. Dazu kommen die Generalsanierung der elektrostatischen Staubabscheidung, die Wartung der Nasswäscher und des Saugzuges sowie die Ertüchtigung der Heizölversorgung. Im August und September wird der Klärschlamm deshalb bei Kosten von täglich 20.000 Euro über eine mobile Anlage entwässert und zu anderen Verbrennungsanlagen im Land gebracht.

Grundsätzlich sind Geruchsprobleme im Sommer bei den höheren Abwassertemperaturen von 20 Grad unvermeidbar. Denn das Abwasser aus Ettlingen, Malsch, Palmbach und Grünwettersbach ist teilweise über 18 Stunden in den Kanälen unterwegs bis es im Klärwerk ankommt. In dieser Zeit laufen schon biologische, also riechbare Abbauprozesse auf der Fließstrecke. Die Wassermenge verringert sich jedoch im Sommer und in der Ferienzeit, sowie wegen Wasserspartasten oder Wasserkreisläufen in Industrie und Gewerbe. Zu Problemen führen dann aber die gleich bleibende Menge von Toilettenpapier und die verbotene, aber trotzdem praktizierte Entsorgung von Biomüll über die Toilette.

Außerdem wird der Unterschied zwischen den Wassermengen bei Starkregen und bei Hitze immer größer. Voluminösere, für Starkregen ausgelegte Kanäle, die in der flachen Rheinebene aber auch nur minimales Gefälle haben, weisen geringere Fließgeschwindigkeiten auf. Folge sind Gerüche verursachende Ablagerungen. Zudem werden im August nach der Ernte die Felder geruchsintensiv mit Gülle oder Dung gedüngt. Durch die regelmäßige Reinigung der Kanäle geht die Stadt gegen Gerüche an, die Bürgerschaft sollte das ihrige tun und keine organischen Stoffe über Toiletten entsorgen. -cal-

 
 

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