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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. August 2019

Stadtkultur: Geschichte in berührenden Bildern

EINE ORIGINALE SCHIEBEKASTENKAMERA zeigt der scheidende Museumsleiter Dr. Peter Pretsch (rechts) Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. Foto: Fränkle

EINE ORIGINALE SCHIEBEKASTENKAMERA zeigt der scheidende Museumsleiter Dr. Peter Pretsch (rechts) Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. Foto: Fränkle

 

Ausstellung im Stadtmuseum zeichnet Entwicklung der Fotografie in Karlsruhe nach

Klassizismus, Historismus, Ensembles im Jugendstil wie schöne Plätze prägten vor dem Zweiten Weltkrieg das Bild eines ganz anderen Karlsruhe. So kommt in der unbedingt empfehlenswerten neuen Ausstellung im Stadtmuseum „Vom Lichtbild zum Schnappschuss. Fotografie in Karlsruhe 1840 bis 1990“ auch Trauer über zerstörte und nicht wieder aufgebaute Schönheit auf.

Ebenso bei der Aufnahme des 15-jährigen Hans Müller nach dem Luftangriff 1916, auf der ein Hund vor Leichen hinter Straßenbahngleisen davon eilenden menschlichen Gestalten hinterherschaut. Oder wenn Erich Bauer die Angst einer jungen Mutter mit fliehenden Haaren zeigt, die ihr kleines Kind im Zweiten Weltkrieg im Luftschutzkeller zu schützen versucht. In seiner letzten Schau zeigt der Leiter des Stadtmuseums, Dr. Peter Pretsch „wie sich die Entwicklung der Fotografie mit der Karlsruher Stadt- und Gesellschaftsgeschichte verknüpft“, würdigte Bürgermeister Dr. Albert Käuflein.

Dank für 21 Ausstellungen seit 1985, davon viele selbst kuratiert, die von 1989 bis 2019 rund  200.000 Menschen interessierende Dauerausstellung sowie sein „enormes Wissen über die Stadtgeschichte und seine Sammlungen“, kam von Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche. Das  wird auch in der Fotoschau deutlich, die unter anderem mit einem von Felix H. Gross rekonstruierten historischen Fotoatelier, Kameras sowie einer „Materialwand“ zum einen die technische Entwicklung dokumentiert.

Und außerdem die Kunst  der Karlsruher Foto-Ateliers  seit den ersten Daguerreotypien in den 1830er-Jahren.  So entstand das Porträt des Theaterdieners Franz Kassel und seiner Frau bereits 1840. Immer vielfältiger wurden die Motive: Familienbilder, Urlaubsaufnahmen, seit dem Ersten Weltkrieg Passbilder, dazu Presse-, Mode-, Werbe- und Kunstdenkmälerfotografie. Das früheste Fotoatelier, in dem Bilder noch mit vielen Requisiten inszeniert wurden, gründete der Maler und spätere Hoffotograf Theodor Schuhmann.

Er motivierte zudem den Lebensmittelhändler Albert Glock, 1861 das erste Fotofachgeschäft aufzumachen. In der Kaiserzeit dokumentierte das Atelier Hirsch etwa die Familie  Prinz Max von Badens. Legendär ist die Dynastie Bauer, aus der viele Generationen von Fotografen hervorgingen. So schilderte Erich  den Alltag nach 1945 in Bildbänden.  Aufnahmen aus  dem Bauer-Privat-archiv stehen neben denen der Fotografen Kratt, Schmeiser und Ganske, die wie die des BNN-Pressefotgrafen Schlesiger bereits archivgesichert sind. -cal- 

 
 

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