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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. August 2019

Stadtkultur: Nachkriegskunst im Spannungsfeld

VERSUNKEN IN KUNST:  Heinz Barths „Mädchen“ (1955) und das Selbstbildnis von Willy Kiwitz (1953) ziehen Betrachter in ihren Bann. Foto: Bastian

VERSUNKEN IN KUNST: Heinz Barths „Mädchen“ (1955) und das Selbstbildnis von Willy Kiwitz (1953) ziehen Betrachter in ihren Bann. Foto: Bastian

 

Dem Kunstgeschehen zwischen Kriegsende und 1960 gilt die Ausstellung „Tradition und Aufbruch. Nachkriegskunst in Karlsruhe“ der Städtischen Galerie. Gezeigt werden rund 150 Gemälde, Grafiken und Plastiken, die großteils zum Sammlungsbestand des städtischen Museums gehören.

Einige der Exponate seien im Vorfeld aufwändig restauriert worden, unterstrich Galerieleiterin Dr. Brigitte Baumstark ihren Anspruch, jährlich eine Ausstellung mit Werken aus dem eigenen Fundus zu bestücken.

„Tradition als Verpflichtung“ galt nicht nur als Leitsatz der Karlsruher Kunstakademie, als sie 1947 ihren Lehrbetrieb wieder aufnahm, die Haltung kennzeichnet auch die Kunstszene der Nachkriegszeit in der Fächerstadt. Mit der Wiedereinsetzung 1933 entlassener Professoren wie Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger sowie den Berufungen von Erich Heckel und Otto Laible knüpfte die Akademie an ihre Wurzeln und anerkannte Richtungen der Klassischen Moderne an.

Charakteristisch sind etwa Schnarrenbergers lichtes Stillleben „Glas auf rotkarierter Decke“ oder Otto Laibles „Spanische Veranda“, dessen Darstellung auf perspektivische Mittel verzichtet und flächig vereinfacht. Mit dem als Pionier großformatigen Holzschnitts geltenden HAP Grieshaber kam 1955 ein Lehrer nach Karlsruhe, der auf Kreativität und Experimentierfreude ohne Einschränkung der künstlerischen Freiheit setzte. Aus seiner Klasse ging die Neue Figuration hervor.

Auch außerhalb der Akademie entwickelte sich ein facettenreiches, aber oft gegenständlich orientiertes Spektrum. Nur wenige Maler und Grafiker wagten den Schritt in die Abstraktion, darunter etwa Heinz Barth und Wladimir von Zabotin oder auch Willi Müller-Hufschmid, der als einer der ersten Karlsruher Künstler 1959 an der documenta in Kassel teilnahm. Getrennt nach Malerei und Papierarbeiten und thematisch aufgefächert in Stillleben, Landschaft, Figurenbild und Porträt lassen sich beim Rundgang durch die Schau vielerlei Entdeckungen machen.

Zu sehen sind etwa bislang unbekannte Porträtfederzeichnungen von Walter Stöhrer aus den fünfziger Jahren, das Frühwerk „Doppeltisch mit Schale“ (1952) von Fritz Klemm oder Walter Beckers Gemälde „Musik“ von 1957, das lange den Saal der Badischen Hochschule für Musik (Jahnstraße) schmückte und in dem Farbe und Form dominieren.

„Tradition und Aufbruch“ läuft bis zum 19. Januar in der Städtischen Galerie (Lorenzstraße 27). Öffnungszeiten sind mittwochs bis freitags von 10 bis 18, samstags und sonntags ab 11 Uhr. -red-/-maf-

 
 

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