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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. August 2019

Trockenheit: Bäume bleiben wichtig für Stadtklima

MIT DER TELESKOP-LANZE ist Wässern vom Wagen aus möglich und effizient im Sinne einer größtmöglichen Baumversorgung. Foto: GBA

MIT DER TELESKOP-LANZE ist Wässern vom Wagen aus möglich und effizient im Sinne einer größtmöglichen Baumversorgung. Foto: GBA

 

Vom schwierigen Kampf gegen die anhaltende Trockenheit / Verfügbare Kräfte wässern unentwegt / Fokus auf Junge / Viel zu wenig Niederschlag

Der teils kräftige Regen der vergangenen Tage darf nicht darüber hinwegtäuschen: Die Trockenheit hält wie in den Vorjahren weiter an. Die Folgen für den gesamten Baumbestand der Stadt sind gravierend.

Das Gartenbauamt ist intensiv mit Wässern beschäftigt und konzentriert sich auf die bis zu drei Jahre alten Jungbäume. Alle verfügbaren Lastwagen sind durchweg im Einsatz. Zudem ist in jedem Unterhaltungsbezirk mindestens ein weiteres Fahrzeug unterwegs, um möglichst viele der Jungbäume vor dem Vertrocknen zu schützen.

Um begrenzte Kapazitäten optimal zu nutzen, wurden technische Verbesserungen vorgenommen. Auf den Wagen sind Fässer mit bis zu 6.000 Liter Fassungsvermögen installiert, zwei Fahrzeuge an der Front mit einem hydraulisch beweglichen Arm versehen, einer sogenannten Teleskop-Lanze. Über die kann der Fahrer vom Wagen aus effizient wässern und so rund 60 Bäume am Tag versorgen.

Das Amt für Abfallwirtschaft unterstützt mit einem 10.000 Liter fassenden Tankwagen und, wann immer einsetzbar, einem weiteren Wagen mit 3.000 Litern Wasser. Auch ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren sind mit im Einsatz. Die Stadt begrüßt jeden Liter jeder weiteren helfenden Hand.

Wegen der geringen Niederschläge sinkt die pflanzenverfügbare Wasserkapazität der Böden. Erst ab 60 Zentimeter Tiefe ist etwas intensivere Bodenfeuchte unter Grasland gegeben, doch so weit reichen die Wurzeln der Jungbäume noch nicht, die es zusätzlich im heißen Asphalt der Stadt ganz besonders schwer haben. Der Niederschlag auch der diesjährigen Vegetationszeit reicht bei Weitem nicht aus.

Wenn, wie jüngst bei der Unwetterlage, Starkregen auf trockene Erde trifft, rauschen gut zwei Drittel des Wassers über die Oberfläche und versickern im Kanal oder verdunsten binnen Tagen. Der länger anhaltende Landregen am Folgetag half – vorübergehend. Das Gros greifen zudem etwa Gräser und Stauden oben ab. Die Trockenschäden der vergangenen Hitzesommer führen weiter zu starkem Pilzbefall geschwächter Bäume und machen umfangreiche Verkehrssicherungsarbeiten notwendig.

Zum Oktober wird das Gartenbauamt erneut bilanzieren, wie viele tote Bäume zu fällen sind. Unter Beachtung des vorgeschriebenen Artenschutzes kommt es wie in der Waldstadt bereits unterjährig zu ersten Fällungen. Immer eingebunden ist das Umweltamt. Voraussichtlich ab Ende August soll mit dem Fällen unter Einbezug von Fachfirmen begonnen werden. Ob des großen Umfangs unterstützt gegebenenfalls das Forstamt.

Bäume sind für Stadtklima und Menschen ungemein wichtig. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern tragen auch durch Verdunstungskälte zur Abkühlung bei. Sobald der gesamte Umfang der gerodeten Flächen bekannt ist, wird ein Konzept zur Wiederbegrünung erarbeitet. Ziel ist, im Spätherbst mit ersten Neupflanzungen geeigneter Arten zu beginnen. Es sollen alle gefällten Bäume durch Neupflanzungen ersetzt und solche ausgewählt werden, die möglichst gut an Standort und veränderte klimatische Bedingungen angepasst sind.

Abgesperrte Areale sind zu beachten. Der Zugang ist untersagt, weil tatsächlich ernste Gefahr für Leib und Leben durch herabfallende Baumteile besteht. Zurzeit erbringen routinemäßige Kontrollen jede Woche rund 300 weitere abgestorbene Bäume. Allein in Waldstadt-Waldlage sind aktuell mehr als 1000 Bäume betroffen, vor allem Buchen, Kiefern. Viele Baumarten haben hier keine Zukunft mehr, müssen nach und nach in klimaangepassten Ersatz finden. -mab-

 
 

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