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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. August 2019

Stadtgeschichte: Zuhörend und ausgleichend

EHRENBÜRGER August Dürr in späten Jahren. Foto: StA

EHRENBÜRGER August Dürr in späten Jahren. Foto: StA

 

Ehrenbürger August Dürr starb vor hundert Jahren

Bereits zu Lebzeiten wurde die August-Dürr-Straße nach ihm benannt, anlässlich seines alters-bedingten Ausscheidens aus dem Stadtrat wurde ihm 1911 die Ehrenbürgerwürde zuerkannt. Bei Dürrs Tod waren alle Honoratioren der Stadt voll des Lobes und des Preisens über einen, so Oberbürgermeister Karl Siegrist beim Begräbnis, wie es keinen zweiten in der Stadt gebe.

Geboren wurde der so Geehrte 1835 in Karlsruhe, wo sein Vater 1820 das „Garn- und Kurzwaren en gros und en détail  C. F. Dürr“ gegründet hatte. Mit seinem Bruder führte August Dürr das Geschäft zu einer in Karlsruhe angesehenen Geschäftshandlung fort. Seine Bestimmung aber sah er in der Kommunalpolitik und im kirchlichen Bereich. 1866 wurde der 30-Jährige als Stadtverordneter  in den Bürgerausschuss, den damaligen Gemeinderat gewählt.

1873 gelangte er darüber in den Stadtrat, das höchste Stadtverwaltungsgremium, bestehend aus den Bürgermeistern und den vom Bürgerausschuss gewählten Räten. Dem Stadtrat gehörte Dürr 38 Jahre lang an, so lange wie bis dahin kein anderer. In dieser Zeit zeichnete er mit verantwortlich für die Entscheidungen der Verwaltung einer zur Großstadt heranwachsenden Kommune. Viele Fragen zur  städtischen Infrastruktur und dem Aufbau kommunaler Daseinsvorsorge waren zu lösen.

Keiner Partei angehörend, wurde sein Stil in den politischen Fragen als zuhörend, auf Verständigung und Ausgleich bedacht beschrieben. Auch in der Wirtschaft wirkte er – 30 Jahre lang als Aufsichtsrat bei der Maschinenbaugesellschaft und der Karlsruher Lebensversicherung, 20 Jahre als Handelsrichter. Über vier Jahrzehnte war der tiefreligiöse Dürr in der lokalen und der Generalsynode der Evangelischen Kirche aktiv. Für seine wirtschaftliche Kompetenz erhielt er 1896 den Ehrentitel Kommerzienrat, 1918 Geheimer Kommerzienrat. August Dürr, der zahlreiche Spenden ohne Aufheben an seine Geburtsstadt gab, starb am 14. August 1919. -jsk-

 
 

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