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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. September 2019

Faire Woche: Arbeiterinnen helfen

AUS GEBRAUCHTER KLEIDUNG selbst etwas Neues zu machen, statt sie wegzuwerfen, dafür warb die Soziologin Sylvia Holzhäuer-Ruprecht am Eröffnungsabend. Foto: MMG

AUS GEBRAUCHTER KLEIDUNG selbst etwas Neues zu machen, statt sie wegzuwerfen, dafür warb die Soziologin Sylvia Holzhäuer-Ruprecht am Eröffnungsabend. Foto: MMG

 

Bedingungen in Textilindustrie müssen verbessert werden

„Es ist immer wieder bedrückend“, erfahre man von den Arbeitsbedingungen im globalen Süden, betonte Bürgermeisterin Bettina Lisbach vorige Woche im Jubez: „Das motiviert uns verstärkt, uns für fairen Handel und den Einsatz der Stadt für faire (Berufsbekleidungs-) Textilien einzusetzen“, resümierte sie zur Eröffnung der Fairen Wochen.

Mit Schwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit laufen sie noch bis Ende Oktober unter dem Motto „Gleiche Chancen durch fairen Handel“. Dabei gehe es vielfach um die Existenzsicherung und politische Teilhabe von Frauen. Weltweit sei jede Dritte Gewalt ausgesetzt, auch hierzulande müsse „Erkämpftes weiter verteidigt werden“, ergänzte die städtische Gleichstellungsbeauftragte Verena Meister.

Was in den textilproduzierenden Ländern abläuft, berichteten eine Aktivistin und eine Textilarbeiterin aus Tunesien, die von der kooperierenden Bonner Frauenrechtsorganisation Femnet eingeladen wurden. Auch die Berufsbekleidungsindustrie wurde, so Theresa Utecht (Femnet), seit den Neunzigern in Entwicklungs- und Schwellenländer mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen ausgelagert.

Deutsche Kommunen beschaffen jährlich für bis zu 500 Millionen Euro Berufsbekleidung. Amani Allagui vom tunesischen Forum für ökonomische und soziale Rechte berichtete von einer dreigeteilten Industriestruktur in überwiegend ausländischer Hand, in der die die Hersteller für ein später  bis zu 35 Euro teures T-Shirt höchstens 90 Cent bekämen. Das müssen die Arbeiterinnen (auch Schwangere) an sechs Tagen pro Woche mit nicht existenzsichernden Löhnen in neunstündigen Schichten plus unbezahlten Überstunden, meist ohne Sozialversicherung. ausbaden, berichtete die heutige Polstereibesitzerin und frühere Textilarbeiterin Houda el Fadhel voller Wut. Stundenlanges Sitzen auf unbequemen Stühlen, fehlende Luft und Hygiene, kaum Pausen, immer größere, durch Erniedrigung und psychischen Druck erzwungene Stückzahlen bei jederzeit möglichen Entlassungen machten bereits 35-jährige Frauen, die oft ihre Familien ernährten, arbeitsunfähig. Zu ändern wäre das durch ein geringeres Arbeitstempo und etwa eine Preiserhöhung um 18 Cent bei einem T-Shirt zu 29 Euro.

Von der großen Palette auskömmlicher und umweltfreundlich geschaffener Produkte zeugten im Jubez Stände mit Rosen aus dem Gartenbauamt oder Kleidung aus dem Weltladen: Leiterin Ingeborg Pujiula ist wesentliche Mitorganisatorin. -cal-

 
 

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