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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. September 2019

Stadtarchiv: Vor 75 Jahren traf ein schwerer Luftangriff Karlsruhe

BLICK aus zerstörtem Bürgersaal gen Marktplatz. Foto: Stadtarchiv

BLICK aus zerstörtem Bürgersaal gen Marktplatz. Foto: Stadtarchiv

 

Verheerendes Inferno

Im September 1944 nahm die anglo-amerikanische Luftwaffe verstärkt Ziele in Karlsruhe ins Fadenkreuz. In diese Zeit fallen zwölf der insgesamt mehr als 60 größeren Luftangriffe auf die Fächerstadt während des Zweiten Weltkriegs.

Standen Anfang des Monats noch strategische Ziele wie Eisenbahnverbindungen und -anlagen im Mittelpunkt, wirkte sich der Großangriff vom 27. September 1944 auf die Kernstadt auch für die Zivilbevölkerung verheerend aus. Er stellte den Höhepunkt einer Luftoffensive dar, die in den Tagen zuvor gegen Düsseldorf, Neuß und Mannheim geführt wurde: Fast 250 britische Flieger warfen ihre tödliche Ladung morgens über dem Stadtgebiet ab. Bei dem Einsatz gingen knapp eine halbe Million Bomben auf die Stadt nieder und verwandelten sie in ein Flammenmeer. „Ungeheure und dicht beieinander liegende Brände leuchteten durch die Wolken“, meldete ein beteiligter Pilot der britischen Luftwaffe. Der Einsatz erfolgte in drei Angriffswellen gegen 5 Uhr - einer eher unüblichen Tageszeit. Bis dahin fanden die Bombardements je nach geographischer Lage der Ziele meist in den späteren Abendstunden oder um Mitternacht statt. Der Plan der Alliierten war, in den frühen Morgenstunden die niedrigere Aufmerksamkeit der Flugabwehr zu nutzen. Lediglich einige Flakstellungen leisteten Widerstand, da zudem auch die deutschen Fliegerabwehrverbände geschwächt waren. Die immensen Zerstörungen konzentrierten sich auf die Innenstadt, die Süd- und Weststadt sowie Mühlburg. Neben Wohnhäusern wurden viele öffentliche Gebäude wie das Rathaus, das Schloss, das Ständehaus und die Evangelische Stadtkirche ein Opfer der Flammen. Die Karlsruher Berufsfeuerwehr konnte den Feuersbrünsten nicht alleine Herr werden, zumal auch die Hauptfeuerwache in der Ritterstraße von 50 Stabbrandbomben getroffen wurde. Wehren aus Neureut, Eggenstein, Leopoldshafen und Straßburg unterstützten die Löscharbeiten. Dank der breiten Straßen, geräumigen Plätzen und Parkanlagen sowie der Lücken durch vorangegangene Zerstörungen blieb die Stadt zumindest von einem Feuersturm verschont, wie ihn etwa Pforzheim erlebte. Dennoch war das Ausmaß der Zerstörung enorm. -ew-

 
 

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