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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. September 2019

Stadtgeschichte: Würdig die Gräber erhalten

Der 2018 gestorbene Zeitzeuge Paul Niedermann auf dem Friedhof in Gurs. Foto: pr

Der 2018 gestorbene Zeitzeuge Paul Niedermann auf dem Friedhof in Gurs. Foto: pr

UNTERZEICHNUNG der Drei-Länder-Vereinbarung im Rathaus: (v.l) Andres, Meyer-Landrut, Eisenmann, Mentrup und Wolf. Foto: pr

UNTERZEICHNUNG der Drei-Länder-Vereinbarung im Rathaus: (v.l) Andres, Meyer-Landrut, Eisenmann, Mentrup und Wolf. Foto: pr

 

Drei-Länder-Vereinbarung

Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland arbeiten künftig eng beim Erhalt und bei der Pflege der etwa 2.000 Gräber von nach Südfrankreich deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Die drei Länder unterzeichneten dafür am 9. September im Karlsruher Rathaus eine Vereinbarung.

Auf mehreren Dutzend Friedhöfen im südfranzösischen Raum existieren etwa 2.000 Gräber,  teilweise in einem schlechten Zustand. Aktuell finden Arbeiten auf dreien der über 30 Friedhöfe statt, auf denen es noch Deportiertengräber gibt. Am 22. und 23. Oktober 1940 deportierten die Nationalsozialisten 6.676 jüdische Bürgerinnen und Bürger nach Frankreich. Von diesen kamen aus den  heutigen Ländern Baden 5.617, aus Rheinland-Pfalz 825  und  aus dem Saarland 145. Die Menschen mussten innerhalb weniger Stunden ihre Häuser verlassen und wurden mit neun Zügen nach Gurs am Fuße der Pyrenäen in das ursprünglich für spanische Bürgerkriegsflüchtlinge errichtete Lager gebracht. Viele starben bereits im Winter 1940/1941 in dem Lager, das aus 400 einfachen Holzbaracken bestand. Beigesetzt  wurden sie auf dem angrenzenden Lagerfriedhof. Andere wurden in Außenlager, zum Teil weit von Gurs entfernt, weiterdeportiert und starben dort oder auf dem Weg dorthin. Überlebende wurden schließlich in die Vernichtungslager verschleppt und ermordet, nur wenige der Jüdinnen und Juden aus Baden, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kehrten in ihre Heimat zurück.

OB Dr. Frank Mentrup  bezeichnete die Vereinbarung „als wichtig, um die Erinnerung an die Deportierten wach und ihre Gräber dauerhaft zu erhalten“. Er erinnerte daran, dass die Initiative hierfür 1957 von Karlsruhe ausging und sich schließlich 16 Städte aus Baden Württemberg sowie der Bezirksverband Pfalz zu einer Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Friedhofs in Gurs zusammenfanden. Jetzt ist es uns außerdem „ein Anliegen, dass sich vor allem junge Menschen mit der Geschichte dieses Ortes auseinandersetzen können“. Erst „wenn Täter, Opfer und Verbrecher genannt sind, kann die Gesellschaft wieder zusammenfinden“, warnte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (Baden-Württem¬berg) vor dem wieder aufkeimenden Antisemitismus. Wissenschafts-minister Prof. Dr. Konrad Wolf (Rheinland-Pfalz) sah es „als besondere Verpflichtung der drei Länder in Zusammenarbeit mit Frankreich, den Opfern würdige Grabstätten zu erhalten“. Unerlässlich sei zudem eine gemeinsame Jugend- und Bildungsarbeit. Das unterstützte auch der deutsche Botschafter in Frankreich, Dr. Nikolas Meyer-Landrut. Den geplanten Bau eines neuen Dokumentationszentrums am Rande des ehemaligen Lagers verfolge er aufmerksam. Auch für das Saarland habe die Vereinbarung einen hohen Stellenwert versicherte Abteilungsleiterin Dr. Kathrin Andres. Zum 80. Jahrestag der Deportation im Oktober 2020 erarbeitet die Berliner Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannseekonferenz“ eine Wanderausstellung berichtete Leiter Dr. Hans-Christian Jasch. -cal-

 
 

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