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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Oktober 2019

Kultur: Ein Schatz für das Stadtarchiv

EINSICHT IN WICHTIGE DOKUMENTE: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein und Archivarin Dr. Katrin Dort bewerten den vom Stadtarchiv erworbenen Knopf-Nachlass aus den Jahren 1897 bis 1977. Foto: Fränkle

EINSICHT IN WICHTIGE DOKUMENTE: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein und Archivarin Dr. Katrin Dort bewerten den vom Stadtarchiv erworbenen Knopf-Nachlass aus den Jahren 1897 bis 1977. Foto: Fränkle

 

Wertvoller Nachlass der Warenhausdynastie Knopf seit August in städtischem Besitz

Mit dem Nachlass der Warenhaus-Dynastie Knopf ist es dem Stadtarchiv gelungen, einen für die „Erinnerungskultur ideell sehr hoch“ stehenden Schatz zu erwerben, verdeutlichte Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein.

Der Erbauer des von 1912 bis 1914 entstandenen heutigen Karstadt-Hauses, Max Knopf, hatte 1881 sein Stammhaus in der Kaiserstraße eröffnet und mit dem „Warenhauskonzept Alles unter einem Dach eine Revolution der Geschäftswelt“ eingeleitet, so Käuflein. Rund 70 Häuser der Knopfs und ihrer Partner folgten bis Ende der 1920er-Jahre in Südwestdeutschland, der Schweiz, im Elsass und in Luxemburg.

„Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten sahen sich die Knopfs jedoch zunehmend Boykotten und Repressionen ausgesetzt“, erklärte die stellvertretende Archivleiterin Dr. Katrin Dort. Schließlich musste Margarete Levis, die Tochter von Max, das Karlsruher Kaufhaus zu einem Spottpreis verkaufen.

Die Familien Knopf und Levis flohen in die USA. Von dem etwa 870 Stücke aus der Zeit von 1897 bis 1977 umfassenden Nachlass hatte das Archiv im Zuge der Ausstellung „Waren. Haus. Geschichte“ vor drei Jahren erfahren. Seither liefen, erzählte Dort, „langwierige Verhandlungen mit dem Urenkel Margaretes, Don Levis“.

Über einen Preis von 5.000 Euro wurde man sich einig. Die bisher noch unbearbeiteten Fotoalben (1925/26), Fotos und Postkarten von Familie und Freunden, von den Kaufhäusern oder Veranstaltungen, Briefe, offizielle Dokumente, Pässe, Zeugnisse, Rechnungen, Finanzunterlagen, Verträge, Zeitungsberichte, Gutachten oder Planskizzen machen die „allgemeine Geschichte an dem Schicksal einer Familie nachvollziehbar“, begründete Dort den Kauf. Der Nachlass ermögliche die „direkte und persönliche Sicht auf die nationalsozialistischen Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung, die Erfahrungen der Enteignung, der Flucht und des Kampfes um Entschädigung.

Außerdem die Schwierigkeiten, sich im fremden Land eine neue Existenz auf zubauen. Don Levis war es „wichtig, dass der teilweise vom Zerfall bedrohte und von den englischsprachigen Nachkommen größtenteils nicht mehr verstandene Nachlass erhalten wird“, informierte Archivchef Dr. Ernst Otto Bräunche. Jetzt muss er erschlossen werden, vor allem die fragilen Luftpostpapiere müssen restauriert und dann mit einer kurzen Inhaltsangabe für jedes Stück verzeichnet werden. -cal-

 
 

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