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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. November 2019

Gemeinderat: Frühwarnsystem bei der Wohnungslosenhilfe trägt

Viel Lob für Bericht / Stagnation auf hohem Niveau

Als Gegenentwurf zu sozialen und baulichen Dimensionen der Ausgrenzung wohnungsloser Menschen hat der Gemeinderat bereits 1997 das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe etabliert. Dessen in zweijährigem Turnus vorgelegten Sachstandsbericht bedachte das Plenum nun in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag mit viel Lob.

Trotz massiven Versorgungsengpasses bezahlbarer Wohnungen stagnieren die Unterbringungszahlen – auf hohem Niveau zwar, dank des differenzierten Hilfesystems aber nicht weiter steigend. „Kein Grund zum Jubeln“ für Bürgermeister Martin Lenz. Dass es aber nicht schlimmer aussehe, liege am „Frühwarnsystem“ sowie an der Mischung aus Fachstellenkonzept, Prävention, Wohnungserhalt „um jeden Preis“ und dem Instrument „Wohnraumakquise durch Kooperation“, das privaten Wohnraum erschließt. „Wir sind bedingt zufrieden, werden uns aber nicht zufrieden geben“, erklärte Lenz.

Zum Stichtag 31. Dezember des vergangenen Jahres waren dem Bericht zufolge 596 Menschen über die Fachstelle Wohnungssicherung obdachlosenrechtlich untergebracht, darunter 95 Kinder. Der Vorjahresvergleich (2017) weist 548 Personen, darunter 80 Kinder auf. Dies ist allerdings nur als tendenzielle Momentaufnahme zu sehen, die nicht die Dynamik der Zu- und Abgänge pro Monat abbildet. Die Verlaufszahlen hingegen repräsentierten, wie viele Menschen im Laufe eines Jahres betreut und versorgt wurden. Diese blieben annähernd gleich: 1.412 Personen (2017) und 1.401 Personen (2018).

Es gebe einfach zu wenige Sozialwohnungen, erkannte GRÜNE-Stadträtin Verena Anlauf die Anstrengungen der Vergangenheit an, forderte jedoch deren Intensivierung. Wohnen sei „die soziale Frage“, sie tangiere sämtliche Bereiche. Karlsruhe sei „nicht schlecht aufgestellt“, fand CDU-Stadtrat Dr. Thomas Müller. Wichtig sei der weitere Ausbau medizinischer Hilfen wie die im Hotel „Anker“ und im Tagestreff „Tür“, denn die Menschen scheuten den Weg zum Arzt.

Trotz erheblicher Beiträge der Volkswohnung mit 13.000 Mietwohnungen oder der Wohnraumakquise, über die bislang rund 2000 Menschen eine Bleibe gefunden hätten, sei die Situation „brennender denn je“. So bezeichnete SPD-Stadträtin Yvette Melchien die Wohnungslosenzahlen als traurigen Rekord. Karl-Heinz Jooß (FDP) setzte weiter auf Belegungssteuerung, um „Ghettoisierung“ vorzubeugen. Von Wohnungsnotstand mochte der Stadtrat nicht reden, aber der Markt sei angespannt.

Die Stadt habe die Entwicklung „verschlafen“, zu viele Menschen gingen trotz eines Wohnberechtigungsscheins leer aus, kritisierte Mathilde Göttel (DIE LINKE). Jeder Fall „ist ein Versagen von uns als Gesellschaft“, befürwortete sie eine Offensive für bezahlbaren Wohnraum und bedingungslose Grundsicherung. Nichts habe die Stadt verschlafen, entgegnete Ellen Fenrich (AfD), Wohnungen könnten nicht aus dem Hut gezaubert werden, Ursache für den Engpass sei die Zuwanderung.

Den „Zungenschlag“ Fenrichs hielt Lüppo Cramer (KAL/Die PARTEI) für „bedenklich“, die Verwaltung sah er hingegen „auf dem richtigen Weg“. Wohnungslosigkeit könne „fast jeden treffen“, deshalb „muss man barmherzig sein mit den Menschen“, erklärte Friedemann Kalmbach (FW/FÜR). Die Stadt reagiere „komplex auf eine komplexe Situation“, was sie aufstelle sei „geradezu genial.“ -maf-

 
 

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