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Karlsruhe: Presseportal

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10. Mai 2021

Stadt gedenkt der am 16. Mai 1940 deportierten Sinti und Roma

 

Veranstaltung eröffnet auch die Ausstellung "Mari Parmissi - Unsere Geschichte" im Rahmen der Europäischen Kulturtage

Mit einer Gedenkveranstaltung am 81. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma am 16. Mai 1940 erinnert die Stadt Karlsruhe an deren Schicksal und Leid.  Die Veranstaltung am Sonntag, 16. Mai, die Interessierte von 11 bis 12.30 Uhr per Live-Stream unter www.karlsruhe.de/livestream auf dem YouTube-Kanal der Stadt mitverfolgen können, eröffnet gleichzeitig die Ausstellung "Mari Parmissi – Unsere Geschichte" des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und einem Grußwort von Daniel Strauß (Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg) erläutert Dr. Frank Reuter, Leiter der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg am Sonntag, 16. Mai, in seinem Vortrag "Auftakt zum Völkermord: Die erste Deportation deutscher Sinti und Roma ins besetzte Polen im Mai 1940" die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma insbesondere mit Bezug auf die Ereignisse des 16. Mai 1940. Musikalisch wird die Veranstaltung vom Duo Armin Heitz und George Urziceanu begleitet. Die Gedenkveranstaltung findet im Rahmen der Europäischen Kulturtage Karlsruhe statt.

"Generalprobe für den Völkermord"

Am 16. Mai 1940 wurden fast 2.500 Sinti und Roma aus dem Reichsgebiet in Gewahrsam genommen und kurz darauf in das besetzte Polen deportiert. Im Rahmen dieser Aktion wurden an diesem Tag über Karlsruhe etwa 200 Menschen jeden Alters auf die Festung Hohenasperg transportiert. Wenige Tage später wurden sie in Ghettos oder Arbeitslager im besetzten Polen deportiert und mussten Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen wurden Anfang 1942 in Gaswagen oder in der Erschießungsaktion bei Radom ermordet. Die letzten Lebenden kamen in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wohin ab März 1943 auf Geheiß von Heinrich Himmler neben Roma aus verschiedenen europäischen Ländern auch die noch 10.000 im Reich lebenden Sinti und Roma verschleppt wurden, darunter wieder Karlsruher Familien. Die Aktion vom 16. Mai 1940 wird von Historikern als "eine Art Generalprobe zum Völkermord" bewertet.

Blick auf Antiziganismus

Die Wanderausstellung "Mari Parmissi – Unsere Geschichte" des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, die bei der Gedenkveranstaltung am Sonntag eröffnet, wird ebenfalls im Rahmen der Europäischen Kulturtage bis zum 8. August im Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais präsentiert. Sie zeigt die jahrhundertealte Geschichte einer Minderheit und den Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaft. Über den nationalsozialistischen Völkermord hinaus geht sie auf die Nachkriegsgeschichte ein und spannt dabei den Bogen von der Entstehung der Bürgerrechtsbewegung seit den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist zugänglich, sobald es die Corona-Bestimmungen wieder zulassen.