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Karlsruhe: Presseportal

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14. Juli 2021

Attraktivität und Erreichbarkeit überzeugen nicht alle

Sportausschuss: Detaillierte Analyse Daxlandens und städtische Förderung von Kooperationen

Das Ringen um die raren Flächen ist vielschichtig, Karlsruhes Sport- und Bewegungsangebot gleichwohl reichhaltig. Das lässt die Stadt sich jährlich Einiges kosten, und das zeigten auch Dr. Hagen Wäsche vom Karlsruher Institut für Technologie und Prof. Dr. Rolf Schwarz von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe über eine exemplarisch auf Daxlanden ausgerichtete komplexe Analyse auf. Deren Ergebnisse präsentierten sie dem interessierten Sportausschuss in dessen jüngster nichtöffentlicher Sitzung unter Vorsitz von Sportbürgermeister Martin Lenz.

Die Studie dokumentiert das breite Spektrum von Vereinen über Schul- und Kita-Programme bis zu Spielplätzen, die viele Teilhabechancen ermöglichen und deren Angebote auch viele Menschen und deren Bedürfnisse gut versorgen - aber längst noch nicht alle. Das belegen beispielsweise Umfragen, die beleuchten, wie (68) Familien mit (99) Kindern das Angebot einschätzen. Das wiederum ist eine Frage der unterschiedlich wahrgenommenen Attraktivität und Erreichbarkeit, lautet eine Erkenntnis der sozialraumbezogenen Sport- und Quartiersentwicklung in einem der dichtesten und demografisch ältesten Quartiere der Fächerstadt. Dicht insofern, als sich reines Wohnen auf einem knappen Viertel der ansonsten viel Grün umfassenden Stadtteilfläche ballt. Den anderen Faktor belegt der sogenannte Altenquotient: Das Verhältnis von älteren Menschen über 65 zu erwerbsfähigen liegt bundesweit bei 36, in Daxlanden bei 45,7 von 100.

Tausend neue Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen

Die Verwaltung ließ den Stadtteil nicht von ungefähr genauer untersuchen: Nach Realisierung des Projekts August-Klingler-Areal auf der durch Vereinsfusion von DJK und FV zur SG Daxlanden freigewordenen Fläche kommen ab voraussichtlich Ende 2023 etwa 1.000 weitere Menschen zur aktuellen Bevölkerung von knapp 12.000 hinzu, die es mit allem samt Sport, Spaß und Bewegung zu versorgen gilt. Ältere, Kinder mit Migrationshintergrund und Familien mit schwachem sozioökonomischem Status hat die Wissenschaft diesbezüglich als Gruppen mit erhöhtem, aber nicht immer ausreichend bekanntem Bedarf schon länger im Blick. Nicht normierte Sportstätten und selbstorganisierter Sport gewinnen zusehends an Bedeutung.

Ein signifikanter Teil der Befragten, der mit Vereinen den Analysten zufolge eher "fremdelt", brachte beispielsweise das Interesse an einer eigenen Calisthenics-Anlage zum Vorschein. Wäsche und Schwarz machten auch die Heterogenität der Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen Gewohnheiten und Vorstellungen deutlich. So ging besagter Wunsch vor allem von sogenannten Konsum-Hedonisten aus, während andere Kreise sich beispielsweise als Konservativ-Etablierte, Bürgerliche Mitte, Liberal-Intellektuelle, Prekäre, Sozial-Ökologische oder Performer erfassen ließen. Des Weiteren wiesen das eher jüngere und sozial besser gestellte Alt-Daxlanden, dem folgend Neu-Daxlanden und Daxlanden Ost sowie schließlich die älter und sozial schwächer bewohnte Rheinstrandsiedlung erhebliche Unterschiede auf. Basierend auf Infra- und Organisationsstruktur sowie einer detaillierten Analyse des Ist-Zustands soll die Stadt in die Lage versetzt werden, die "nachhaltige Entwicklung eines die körperlich-sportliche Aktivität aller Bewohner fördernden Quartiers" ihrerseits bestmöglich zu fördern.

Netzwerke vorhanden, Ansprache intensivieren

Neben 38 Vereinen, 23 davon mit Sitz in Daxlanden, machten die Wissenschaftler viele weitere Anbieterinnen und Anbieter von Sportmöglichkeiten wie Bildungsstätten und Einrichtungen aus – insgesamt 96 sowie fast 400 Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote. Darüber hinaus besteht ein intensives, auch dynamisches Netzwerk all dieser Akteurinnen und Akteure. Aber: Aus der Bürgerschaft will längst nicht jeder oder jede ein Teil davon sein. Und schon wenige hundert Meter zum nächsten Spielplatz können zu weit sein, um ihn zu erlaufen, was nicht selten aber auch mit Sicherheitsbedenken etwa wegen der Verkehrssituation oder dunkler Ecken begründet werde. Die Qualität und die Ansprache des Angebots müssen passen, und da sei nun anzusetzen, war Konsens. Denn Kinder, die in ihrem Mikrokosmos etwa ohne passenden Platz seien, würden grundsätzlich mit dem Auto gefahren oder blieben gleich vor allem daheim. Einfache Instrumente wie ein kompaktes Flugblatt könnten die vorhandenen Angebote besser vermitteln, hieß es.

In Karlsruhes "Sportfamilie", von der Lenz wiederholt sprach, um alle Akteurinnen und Akteure zu erfassen, basieren viele Projekte und Erfolge auf Zusammenarbeit. Im losgelöst von den pandemiebedingten Einschränkungen notwendigen und stadtweit geltenden Bestreben, Kinder und Jugendliche noch oder wieder besser in Bewegung zu bringen, spielt diese ebenfalls eine wichtige Rolle. Grundsätzlich positiv nahm der Sportausschuss die auf Basis der Sportförderrichtlinien erarbeitete Verteilung der für das kommende Schuljahr 2021/22 verfügbaren Haushaltsmittel für "Kooperation Schule – Sportverein" und "Sport im Ganztag" zur Kenntnis. Zu Ersterem konnten letztlich gut 105.000 Euro an Zuschüssen aus fast hundert Anträgen zu einer enormen Vielzahl an Sportarten und Weiterem bewilligt werden. Ein Schwerpunkt liegt mit 54 Kooperationen im Ganztagsbetrieb. Hinzu kommen mit 17.645 Euro zu fördernde Kooperationen von fünf Schulen und vier Sportvereinen im Programm "Sport im Ganztag".