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Karlsruhe: Presseportal

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19. September 2017

Keine weiteren Kapazitäten für Unterhaltung und Sanierung

Gartenbauamt informierte Bauausschuss über den Sachstand Karlsruher Brunnen

Die Situation der Karlsruher Brunnen, zurzeit wieder verstärkt Gegenstand des öffentlichen Diskurses, hat Gartenbauamtsleiter Helmut Kern dem von Bürgermeister Michael Obert geleiteten Bauausschuss in nichtöffentlicher Sitzung geschildert. Dabei stellte er das Ungleichgewicht zwischen dem enormen Unterhaltungs- und Sanierungsaufwand auf der einen und den verfügbaren städtischen Mitteln auf der anderen Seite heraus.

Von mehr als 300 Brunnen im Stadtgebiet, wie andere Zahlen dem Karlsruher Brunnenlexikon von 2016 entnommen, sind gut 200 noch in Betrieb. Neben solchen, die sich in Privat- oder Landes- beziehungsweise Bundeseigentum befinden, betreut die Stadt 153 Brunnen. Für das Gros von 123 ist das Gartenbauamt (GBA) verantwortlich, stößt dabei aber immer wieder an die Grenzen seiner finanziellen und vor allem personellen Kapazitäten; „Oberkante Unterlippe“, pointierte Kern die Lage. Die Ressourcen reichten aus „für das Volumen, das wir bewerkstelligen können. Aber nicht für den vor uns hergeschobenen Berg.“

Priorisierung zur stückweisen Pflege unabdingbar
Wie in vielen anderen infrastrukturellen Bereichen, so auch etwa bei der Instandhaltung von Straßen und öffentlichen Gebäuden, sind Prioritäten zu setzen, um die grundsätzlich notwendige Wartung und Pflege sowie die anstehenden Reparaturarbeiten überhaupt und bestmöglich bewerkstelligen zu können. Von besagten 123 Brunnen sind 25 ohne Mängel und 84 trotz Mängeln in Betrieb, weitere 14 nicht.

Das GBA operiert in Haushaltsjahren (elf Brunnen sind wegen größerer notwendiger Reparaturen 2017/18, zehn andere 2019/20 eingeplant) und arbeitet aktuell, teils über diese Liste hinaus, aus verschiedenen Gründen (technische, wasserbedingte (Kalk) oder Alterungs-Probleme (Rost), Sicherheitsmängel, Undichtigkeiten, Verschmutzung etc.)  an folgenden Anlagen: Kauzbrunnen im Waldstadtzentrum, Quellstein (Hans-Thoma-Straße), Knabenbrunnen (Entenfang), Siegfriedbrunnen (Weststadt), Springbrunnen Ost und West (Kolpingplatz), Brunnen an der PSD-Bank, Trinkbrunnen am Alten Bahnhof (Fliederplatz), Trinkwasserstele am Bolzplatz beim KETV, Brunnenanalage vor der Europahalle.

Dieses und nächstes Jahr vorgesehen sind beispielsweise auch der Wassertisch am Kirchplatz St. Stephan wegen zu ersetzender Speier, der Indianerbrunnen am Werderplatz, technisch in Ordnung zu bringen, auch der Indianerkopf wäre zu entnehmen, und der Durlacher Hengstbrunnen. Bei Letzterem läuft eher nur noch ein Rinnsal ab, weil die Abwasserleitung zu ist. An einer Nahtstelle des öffentlichen Nahverkehrs gelegen, müsste hier aufwendig und weiträumig der Boden aufgerissen werden, einhergehend mit Sperrungen.

Wenn ein Brunnen Trinkwasser spendet, sind auf jeden Fall die ebenfalls im Rahmen ihrer Kapazitäten am oberen Limit agierenden Stadtwerke involviert. In Karlsruhe gibt es 51 Brunnen, die mit Trinkwasser betrieben werden. Allerdings sind nur 11 davon wirklich als Trinkwasserspender geeignet, denn aus hygienischen Gründen darf der Auslauf nicht verschmutzt sein, und es muss gewährleistet sein, dass das Wasser dauerhaft fließt, dass Spülungen vorgenommen werden können, um gefährlicher Keimbildung vorzubeugen. Und Kern stellte allgemein klar: „Das Karlsruher Wasser ist gesund und gut, für die Rohrleitungen aber schlecht.“

Durlacher Tor soll nicht ohne Brunnen bleiben
Stadtprägende Anlagen wie der Marktplatzbrunnen mit Großherzog-Ludwig-Denkmal und der Brigantenbrunnen am Ettlinger Tor mussten der Kombilösung weichen, sollen aber zurückkehren, sobald es der Stand der Arbeiten erlaubt. Andere entfallen aus gleichem Grunde dauerhaft wie Langbecken und Springbrunnen-Rundbecken am Durlacher Tor. Dort wird es aber auch künftig einen Brunnen geben, konzipiert ist dieser Kern zufolge noch nicht. Hinsichtlich des Schalenbrunnens beim Hauptfriedhof, dessen Restaurierungskosten die Europäische Brunnengesellschaft bereits übernommen hat, gab der GBA-Leiter zu bedenken, dass mit dessen Betrieb dann weiterer Personalaufwand anfallen würde, der mit den vorhandenen Ressourcen nicht mehr abgedeckt werden könne.

Nachdem der Ausschuss auf angesichts des Klimawandels und im Sinne der Attraktivität des öffentlichen Raums wachsenden Bedarf hinwies, erklärte Kern: „Wir können nicht immer mehr Wasser fordern, und dann ist die Pflege von alten wie neuen Brunnen nicht mehr zu gewährleisten.“ Schon die jetzige Lage könne kein Dauerzustand sein. Bürgermeister Obert riet dringend an, „Brunnen von Wasser prägen zu lassen“. Es sollte das Hauptelement sein und nicht die künstlerische Gestaltung, bei der nur etwas Wasser heraustropft.

Finanzbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, die ebenfalls an der jüngsten Sitzung im Großen Sitzungssaal des Rathauses am Marktplatz teilnahm, führte aus, die Kämmerei betrachte das Thema Brunnen(-Ausbau) seit zwei Jahren sehr kritisch. Geschenke, das war Tenor, nehme man grundsätzlich gerne an. So gehe manch Brunnen auf Spenden oder auch Erbverfügungen zurück und gibt es immer wieder Angebote. Aber die Frage des Folgeaufwands, der Realisierbarkeit müsse künftig verstärkt direkt und ehrlich beantwortet werden, unterstrich die Verwaltung mit Kern.