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Karlsruhe: Presseportal

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5. Juli 2017

Städtepartnerkonferenz der Superlative in Krasnodar

Boomende Stadt Krasnodar

Boomende Stadt Krasnodar

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Konferenzteilnehmende in der Krasnodarer Philharmonie

Konferenzteilnehmende in der Krasnodarer Philharmonie

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Arbeitsgruppe im Krasnodarer Konferenzzentrum

Arbeitsgruppe im Krasnodarer Konferenzzentrum

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Karlsruher Jugendliche bei der Städtepartnerkonferenz

Karlsruher Jugendliche bei der Städtepartnerkonferenz

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Folkloretänzerinnen

Folkloretänzerinnen

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Fünf Berichte über die Konferenzergebnisse, das Jugendforum und künftige Projekte

Neue Entspannungspolitik gefordert

Außenminister betonten Willen zur Zusammenarbeit / Fruchtbarer  Austausch in Foren

Mit offenen Armen und Herzen empfing Karlsruhes südrussische Partnerstadt Krasnodar letzte Woche rund 400 Teilnehmende aus 92 Städteverbindungen zur 14. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz. Alle waren entschlossen, ihre Freundschaften unabhängig von großer Politik zu bewahren und weiter zu intensivieren.

Der Vorsitzende des veranstaltenden deutsch-russischen Forums, Matthias Platzeck, bezeichnete die Konferenz als eine der Superlative, da erstmals die Außenminister Sigmar Gabriel und Sergej Lawrow im Jahr der Kreuzbeziehungen des deutsch-russischen Jugendaustauschs und der kommunalen regionalen Partnerschaften teilnahmen. Es gelte alles zu tun, um den Frieden zu bewahren, plädierte Platzeck für eine neue Ostpolitik im Sinne Willy Brandts. Gastgeber OB Ewgenij Perwyschow, der großes Lob für die professionelle Konferenzorganisation erhielt, betonte, dass gegenwärtig viel von den Kommunen abhänge und davon, der nächsten Generation den Staffelstab zu reichen. Denn von ihr hänge es ab, „ wie wir unsere Zukunft aufbauen“. Darum sei das parallele „Jugendforum so wichtig“.

Gegenseitige Entfremdung zwischen Deutschen und Russen dürfe nicht zugelassen werden, versicherte auch Lawrow. Phobien der Vergangenheit müssten abgelegt werden. Ziel sei, „den Dialog zwischen unseren Staaten zu normalisieren und große gemeinsame Projekte in der Informations- und  Hochtechnologie, Wirtschaft, Kultur,  Kriegsgräberfürsorge, im Humanitärem, der Bildung und der Terrorismusbekämpfung weiter zu verfolgen. Großes Potential in der Zusammenarbeit sah auch Gabriel: „Wir brauchen vertrauensbildende Austausche wie diese Konferenz. Zur "Völkerverständigung von unten“ müssten gewachsene Beziehungen weiter gedeihen, die Bürger unterstützt, nicht behindert werden. Er spüre eine große Sehnsucht der Menschen, Europäern wie Russen, sich in einer neuen Entspannungspolitik wieder anzunähern. Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten dürften dem Dialog nicht im Weg stehen.

In den Konferenzforen, an denen auch Oberbürgermeister teilnahmen, zeigte sich großes Interesse, die seit 2017 wieder wachsenden Wirtschaftsbeziehungen weiter zu intensivieren. Etwa zwischen Karlsruhe und Krasnodar im IT-Bereich. Notwendig seien gegenseitiges Vertrauen und reger Informationsaustausch, um auch kleinere und mittlere Unternehmen einzubinden. Nachhaltige, (energie-) effiziente Entwicklung der Infrastruktur samt Technologietransfer, vor allem im Wohnungsbau, in kommunaler Selbstverwaltung und unter Bürgerbeteiligung erwies sich als eine der größten Herausforderungen für die kommunale Zusammenarbeit.

Nachdrücklich warnten die Deutschen davor, kommunale Betriebe der Daseinsvorsorge zu privatisieren wie derzeit in größeren russischen Städten angedacht. In der Gedenkkultur nähern sich unterschiedliche Gedenkmodelle langsam an, wobei künftige Projekte auf die Jugend zugeschnitten sein müssen. Vorgeschlagen wurden eine Akademie für junge Wissenschaftler zur Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte, Internetprogramme zum Sprachenlernen, eine deutsch-russische Datenbank von Kriegsgefangenen sowie gemeinsame Ausstellungen von Beutekunst. Egal wer sie heute besäße, wichtig sei, dass die Menschen sie sehen könnten.

Hinsichtlich Bildung und Sprache gelte es, den Rückgang des Deutsch- und Russischunterrichts zu stoppen und Stereotype abzubauen. Im Sport als wichtigem Beitrag zu Verständigung und Toleranz ging es beispielsweise um Karlsruher Deeskalationsstrategien im Umgang mit Fußballfans und Unterstützung bei der Organisation der WM 2018. Soziale Fragen kreisten um den Komplex Integration, um Teilhabe und Menschenwürde. So entstehen in Russland derzeit inklusive Musterprojekte wie ein Ressourcenzentrum, auch hier sind Alter und Demenz ein Problem und wird überlegt, wie  Menschen in schweren Lebenslagen unterstützt werden können.

Die nächste Konferenz findet 2019 im Kreis Düren statt, gefolgt 2021 von dessen Partnerin Mitischi.

 

Partnerschaften können aussöhnen

Statements von Erstem Bürgermeister Wolfram Jäger

„So wie die Partnerschaft zu Nancy für die deutsch-französische Aussöhnung steht, soll die zu Krasnodar zur deutsch-russischen Aussöhnung beitragen“, wünschte sich EB Wolfram Jäger bei der Konferenz. Es gelte neu aufzubauen, auch dank der völkerverständigenden Wirkung von Sport und Kultur, denn Russland gehöre dazu. Zur Gedenkkultur regte er an, bei künftigen Begegnungen stärker die Aufmerksamkeit von Jugendlichen auf das Erinnern und Gedenken an den Krieg und die Folgen des Nationalsozialismus zu lenken und die unterschiedlichen Erinnerungstraditionen in Region und Stadt besser verstehen zu lernen.

 

Seelen der Städte spüren

Im Jugendforum entstanden zahlreiche Zukunftsprojekte

Sie sprühten vor Projektideen, die 130 Teilnehmenden des vom deutschen Außenministerium finanzierten Jugendforums während der Städtepartnerkonferenz, darunter 15 Karlsruherinnen und Karlsruher. Begeistert beteiligten sich viele am „Lauf der Freundschaft“ sowie dem in Brandenburg entwickelten “Straßenfußball für Toleranz“, zu dem sogar Außenminister Sigmar Gabriel kam. Ziel: Beim Spiel Freundschaften schließen, Integration und Konfliktmanagement, Respekt und Organisation trainieren. Das ließe sich künftig noch toppen, dachten Karlsruher, Krasnodarer, Rostocker und Potsdamer, nämlich mit einer wechselweise stattfindenden Städteolympiade. Dort wetteiferten dann gemischte deutsch-russische Teams und steht der Spaß stehe im Vordergrund.

Gegen Stereotypen und Vorurteile ankämpfen wollen junge Fotografen aus Karlsruhe und Krasnodar und so die Seelen ihrer Städte spüren lassen. 50 ihrer Fotoporträts werden in Ausstellungen präsentiert. Zu Couchkonzerten im Kinder- und Jugendtreff Südwest sollen nicht nur junge Krasnodarer Musizierende vieler Stilrichtungen eingeladen werden. Die Konzerte könnten auch auf einer Internetplattform via Livestream in die Partnerstadt übertragen und dort medial bei Freiluftübertragungen oder in Jugendzentren weitere Gäste bekommen. Nutzer würden darüber hinaus Blogger und andere Künstler sein.

Eine ähnliche Idee ist „Cloutural“, eine Medienplattform, gedacht für Themen aus Kultur, Geschichte, Sprache oder dem täglichen Leben, die auch Gehandicapte mitgestalten – in Obdachlosen-, Behinderten- oder Flüchtlingsheimen, Jugendclubs, Waisen- oder Krankenhäusern oder Touristenzentren. Realisiert werden könnte manches zum Jugendgipfel 1918 – 1968 – 2018 während der Europäischen Kulturtage.

Zu Ideen aus und in anderen Partnerstädten gehören etwa die „dreckigen Städte“ Essen und Nizhny Novgorod in grüne, ökologische umzuwandeln oder in Emden und Archangelsk das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg samt Gestaltung der Zukunft, mit einem Alumni-Förderverein zu intensivieren sowie das Netzwerk von Jugendorganisationen in Hamburg und St. Petersburg zu vergrößern. Infos gibt es unter Telefon 0721/133-5614.

 

Lust auf Krasnodar machen

Studierende laden zur kulturellen Teilhabe ein

„Die Städtepartnerschaft schafft die Grundlage für den Dialog der Kulturen, für Vertrauen“ sagte der junge Dozent am Lehrstuhl für deutsche Philologie der Krasnodarer Kuban-Uni, Dr. Sergey Bychkov in exzellentem Deutsch bei der Projektpräsentation seiner Studierenden während der Partnerkonferenz. Angedockt ist hier die von der Freundesgesellschaft Karlsruhe – Krasnodar vor zehn Jahren gegründete Europäische Business-Schule. Vermittelt werden betriebswirtschaftliche Kenntnisse und in Zusammenarbeit mit der Walter-Eucken-Schule Praktika in Karlsruhe, neuerdings auch mit der PH für Pädagogikstudierende in Kindergärten. Leider sinke beiderseits die Zahl der Deutsch- und Russischstunden.

Ihre sorgfältige Ausbildung bewiesen die Studierenden, die zudem bei der Konferenz unermüdlich als Volonteers im Einsatz waren, mit unterstützenswerten Konzepten wie der „Subskulptur“ (Lesungen, Konzerte, Aufführungen eigener Theaterstücke), einer dreisprachigen Webseite für Berufstouristen mit kulturellen und wirtschaftlichen Attraktionen sowie einer Internetplattform. Letztere soll  einen originellen Überblick über Geschichte, Architektur, Theater, Musik  oder Literatur liefern.

 

Austausch mit Kulturinstitutionen

Ideen für zahlreiche Projekte in beiden Städten

Das Kunst- und das historische Museum, das Jugendtheater sowie zwei Kinderkunstschulen aus Krasnodar sind an Kooperationen mit Karlsruher Institutionen interessiert. So würde das Kovalenko-Museum, das russische Kunst vom 16. bis 19. Jahrhundert sowie klassische Moderne präsentiert und medientechnisch gut ausgestattet ist, Karlsruher Sammlungen per Video zeigen. Das Felitsyn-Museum mit Schwerpunkt auf dem historischen und kulturellen Erbe der Kuban-Region, möchte Exponate für Ausstellungen austauschen.

Eine Zusammenarbeit strebt auch das immer ausverkaufte, seit 25 Jahren bestehende Jugendtheater an. Sein Schwerpunkt liegt auf modern bearbeiteten klassischen Stücken, inklusive Musik und Pantomime. 11 000 Kinder besuchen in Krasnodar Kunstschulen, die hier in Bildender wie angewandter Kunst fundierte Ausbildungen bekommen. So will die Schule Ptaschinskij weitere Ausstellungen schicken. Eine andere Schule sammelt für das Projekt „Grüne Welt“ nach einem internationalem Wettbewerb Arbeiten, beide wünschen sich auch einen Dozentenaustausch. Informationen unter Telefon 0721/133-4044.