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Karlsruhe: Presseportal

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6. April 2020

Kinderstuben der Wildtiere brauchen Ruhe

Wildtiere sind in der Setz- und Brutzeit besonders anfällig für Störungen

Zur Frühlingszeit beginnt für viele Wildtiere im Wald, auf dem Feld und in der Stadt die sogenannte Setz- und Brutzeit. Im Moment bereiten die Tiere ihre Nester und Aufzuchtstätten vor oder sie versorgen bereits ihren Nachwuchs.

Verhaltensmaßregeln beachten

Ulrich Kienzler, Leiter des Forstamts, und Wildtierbeauftragter Stefan Lenhard bitten deshalb gemeinsam um besondere Rücksichtnahme beim Aufenthalt in der Natur: "Wir wissen, dass es viele Menschen im Frühling auch in Zeiten der Corona-Krise in die aufblühende Natur zieht." Dabei müssten derzeit aber nicht nur die zwischenmenschlichen Abstände und Kontakteinschränkungen eingehalten werden, es gelte auch, "die Verhaltensregeln im Umgang mit den wild lebenden Tieren zu beachten, deren Lebensraum wir aufsuchen." Die beiden wichtigsten Grundsätze dabei seien, "die Wege nicht zu verlassen und Hunde anzuleinen, wenn diese nicht zuverlässig auf ihren Halter oder ihre Halterin hören", meinen beide Fachleute übereinstimmend.

Gelangen nämlich Menschen oder gar ein Hund in die Nähe einer Setz-, Brut- und Aufzuchtstätte, bedeutet diese Störung für die Elterntiere nicht nur immensen Stress, es bringt die Jungtiere möglicherweise sogar in Lebensgefahr.

"Gerade jetzt im Frühjahr haben frei laufende Hunde abseits der Wege nichts zu suchen! Wenn die Vierbeiner nicht im direkten Einwirkungsbereich von Hundeführerin oder Hundeführer auf einem Weg zuverlässig abrufbar sind, sind die Hunde grundsätzlich anzuleinen", meint der Wildtierbeauftragte. Erst in den letzten Tagen seien ihm erneut Fälle bekannt geworden, wo von Hunden aufgescheuchte und gehetzte Rehe in panischer Flucht in Zäune rannten, dort hängen blieben und kläglich verendeten.

Jungtiere nicht anfassen

Das Forstamt weist aber auch darauf hin, dass nicht jedes Jungtier von seinen Eltern durchgebracht wird und die risikoreiche Aufzuchtphase überlebt. So verstoßen beispielsweise Vögel gelegentlich Eier oder frisch geschlüpfte Jungvögel aus dem Nest. Der Kuckuck ist ganz rabiat: er stemmt die Eier oder Jungen seiner Wirtsvögel einfach aus dem Nest um dann das eigene Ei ins fremde Nest zu legen.

Man weiß auch von bestimmten Vogelarten wie den Greifen und Eulen, dass sie im Spätfrühling ihre Jungen bewusst aus dem geschützten Nest verbannen, damit die Jungtiere selbstständig und "flügge" werden. So kommt es bei einem Spaziergang immer wieder vor, dass man am Wegesrand auf einen Jungvogel trifft. Die Elterntiere sind in der Lage, die nur scheinbar hilflosen Jungvögel auch auf dem Boden weiter zu versorgen, sofern sie nicht gestört werden. Diese kommen erst durch Menschen in Not, wenn sie die Jungtiere vom Fundort wegbringen. Jungtiere sollen ganz allgemein nicht berührt werden, da sich dadurch deren Geruch verändern kann. Eine mögliche Folge ist dann, dass die Elterntiere den Nachwuchs verstoßen.