Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Presseportal

Zurück

3. Juni 2011

Planungsausschuss stimmte für Verkehrssimulation in der Herrenalber Straße

Nach Abbruch des Schweizerhauses: Neubau an die Straßenfront/Radroute Willy-Brandt-Allee

Die Altstadt Durlach, zwei Themen aus Rüppurr sowie eine neue Radroute bestimmten die Sitzung des Planungsausschusses, der am Mittwoch (1. Juni) unter Leitung von Bürgermeister Michael Obert in nichtöffentlicher Sitzung tagte.

In Durlach wird die Gestaltungssatzung Durlach vom Bebauungsplan "Altstadt Durlach" entkoppelt. Der Planungsausschuss sprach sich wie schon zuvor der Ortschaftsrat einstimmig für eine Abtrennung beider Verfahren aus. Denn die von einem externen Büro erarbeitete Gestaltungssatzung kann zeitnah beschlossen werden. Zum Bebauungsplan sind jedoch aufwändige Recherchen zum Bestand notwendig. Daher hat sich der Ausschuss entschlossen, den Plan separat aufzustellen. Damit wird das Ziel, mehr Einfluss als bisher auf Veränderungen im Stadtbild im historischen Kern des Stadtteils zu nehmen, nicht aus den Augen verloren. Denn auch die Gestaltungssatzung verfolgt die Intention, das Durlacher Ortsbild zu pflegen und zu erhalten.

Der Plan soll nun in Teilbereichen mit der hierfür notwendigen Detailtiefe aufgestellt werden - und zwar abhängig von der Frage, wo aufgrund aktueller Entwicklungen eine Festlegung zur baulichen Ausnutzung geboten ist. Begonnen wird mit dem Baublock Karl-Weysser-Straße/Karlsburgstraße/Pfinztalstraße/Badener Straße. Hier liegt ein Bauantrag zur Karl-Weysser-Straße 11 vor, wobei der im Oktober 2010 erfolgte Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zur gesamten Altstadt Durlach die Handhabe gab, diesen zurückzustellen. Der Ausschuss stimmte mehrheitlich für die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante mit einem Baufenster entlang der Straßenflucht der Karl-Weysser-Straße. Dies sei die städtebaulich angemessene Lösung und biete unter anderem mehr Abstand zum noch bestehenden Schweizerhaus der Karl-Weysser-Straße 9. Die Variante entspricht dem vorliegenden Baugesuch. Bei einer anderen Plankonzeption hätte der Baukörper im rückwärtigen Bereich am Standort des mittlerweile abgebrochenen Schweizerhauses errichtet werden müssen. Beim Neubau legte der Ausschuss Wert auf eine auf die Umgebung reagierende Architektur und empfahl die Beteiligung des Gestaltungsbeirats.

Bei den Themen aus Rüppurr ging es zum einem um die im Gemeinderat von der Grünen-Fraktion angeregte und mehrheitlich befürwortete Prüfung, ob auch die stadteinwärts führende Herrenalber Straße zurückgebaut werden könnte. Die freiwerdende Fläche könnte für weitere Grünstreifen zwischen Straße und Stadtbahngleisen genutzt werden, um den Alleecharakter des Stadteingangs zu betonen. Auch könnten bis zu vier weitere Übergänge für Fußgänger geschaffen werden.

Den Vorteilen stehen Nachteile gegenüber. Vor allem in den Spitzenstunden würde sich die Verkehrsqualität verschlechtern, die Fußgängerquerungen hätten Auswirkungen auf die Grüne Welle. Vorgabe für den Prüfauftrag ist, dass der Kfz-Verkehr - wie schon auf der Gegenfahrbahn - auf einer Fahrspur abgewickelt werden soll, wobei es an den Knotenpunkten bei beiden Fahrspuren bleiben soll. Um eine fundierte Abwägung der mit dem Rückbau verbundenen Vor- und Nachteile zu erhalten, sprach sich der Planungsausschuss mehrheitlich für eine detaillierte Verkehrsuntersuchung aus. Diese so genannte Mikrosimulation soll vor allem beziffern, in welchem Maße sich die Fahrzeiten für den Autoverkehr erhöhen würden. Von einem Verkehrsversuch hatte die Verwaltung abgeraten, weil dieser sehr aufwändig und wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen wäre. Dem schloss sich der Ausschuss an.

Weiter beschloss der Ausschuss, das Planverfahren "Rastatter, Herrenalber und Fischerstraße" mit dem Verfahren "Rastatter Straße 20 (Nikolauskirche)" zusammenzulegen. Die räumliche Nähe beider Gebiete legt eine gemeinsame Bearbeitung der Aufstellungsbeschlüsse nahe. Bei dem rund 4,4 Hektar großen Gebiet zwischen Herrenalber Straße und Rastatter Straße geht es darum, eine städtebauliche Richtschnur für künftige Bebauungen vorzugeben. Derzeit ist das Gebiet in hohem Maße versiegelt und weist eine sehr heterogene Baustruktur auf. Zu beobachten ist in den letzten Jahren, dass im rückwärtigen Bereich nicht mehr genutzte gewerbliche Gebäude zugunsten von Wohnungen aufgegeben werden.

Die Verwaltung möchte nun einen Entwurf ausarbeiten, der in einem Allgemeinen Wohngebiet im Wesentlichen drei Bebauungsbereiche vorsieht. Die dort vorherrschende Baustruktur soll aufgegriffen und den Eigentümern die Möglichkeiten für eine individuelle Entwicklung ihrer Grundstücke geboten werden. Attraktive Baurechte sollen dabei Anreiz für eine Entsiegelung geben.

Im Gebiet liegt auch der ehemalige Standort der Firma Fiebig. Ein Großteil der Gebäude des ehemaligen Arzneimittelversandes an der Herrenalber Straße soll künftig zu Wohnzwecken genutzt werden. Daher soll im Bebauungsplan der Gebäudebestand gesichert werden, wobei sich Länge und Breite der Lagerhallen ein stückweit reduzieren würden. Der Planungsausschuss stimmte der Konzeption zu, auf deren Basis nun das Verfahren weitergeführt wird. Das Kirchengrundstück der Nikolauskapelle soll nicht weiter bebaut werden und Grünfläche bleiben. Das hatte der Ausschuss vor einem Jahr beschlossen. In diesem Sinne wird dieser Aspekt im gemeinsamen Planverfahren weiter verfolgt. Der Aufstellungsbeschluss wird für Anfang 2012 angestrebt.

Im Radwegenetz geht es voran: Am Mittwoch gab der Ausschuss seine Zustimmung zum Ausbau der Radroute von Neureut in die Innenstadt. Hier geht es vor allem um die Willy-Brandt-Allee zwischen Willy-Andreas-Allee und Adenauerring. Der Weg stellt für Radler aus der Nordstadt und den östlichen Bereichen von Neureut die kürzeste Verbindung in die Innenstadt dar mit Anbindung an die Cityroute-Nord. Alltagssituation ist derzeit, dass auf dem Bankett parkende Autos immer wieder in den Geh- und Radweg hereinragen. Das führt zu Ausweichmanövern der Radler und so zu Konflikten mit den Fußgängern. Hinzu kommt, dass vor allem die Westseite nach starkem Regen wegen mangelnder Entwässerung oft tagelang unter Wasser steht.

Weil der Verkehr ohne wesentliche Einschränkungen auch auf einem Fahrstreifen pro Richtung abgewickelt werden kann, sollen auf dem jeweils äußeren der beiden Fahrstreifen künftig Autos parken. Der Geh- und Radweg soll auf der Ostseite wieder seine ursprüngliche Breite von zwei Metern erhalten. Auf der Westseite kann der Geh- und Radweg auf 2,5 Meter verbreitert werden. Mit neuem Belag und Ertüchtigung der Entwässerung schlägt die Neuverteilung der Verkehrsfläche mit rund 300 000 Euro zu Buche. Für die Detailplanung zur Prüfung mitgenommen hat die Verwaltungen Anregungen aus dem Ausschuss, etwa zum Linksabbiegen der Radler aus der Bismarckstraße heraus.