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Karlsruhe: Presseportal

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1. Dezember 2017

Wohnungsneubau aktivieren

Zweites Akteurstreffen von Bauwirtschaft, Architekten und Stadtverwaltung

Wie kann man dem derzeitigen Wohnungsengpass sowie den stark steigenden Miet- und Kaufpreisen zeitnah und wirksam begegnen? Diese Frage beschäftigte letzte Woche rund 130 Fachleute in Sachen Wohnungsbau. Auf Einladung von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup tauschten sich Vertreter der Karlsruher Bauwirtschaft und Architekten sowie der Stadtverwaltung im Haus der Wirtschaft der IHK auf dem zweiten Akteurstreffen Wohnungsbau über die aktuellen Rahmenbedingungen aus und diskutierten lokale Lösungswege.

Die Zahl der Baufertigstellungen müsse schnell erhöht werden, waren sich die Teilnehmer - Architekten, Bauträger und Investoren, Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Makler, Interessenvertreter sowie Stadtverwaltung – im Ziel einig. Nähere sich das Wohnungsangebot wieder mehr der Wohnungsnachnachfrage an, nehme dies den Druck aus dem Wohnungsmarkt heraus. Dies, so Oberbürgermeister Dr. Mentrup, gebiete allein schon die Solidarität mit den finanziell weniger gut ausgestatteten Haushalten. Denn die Zahl derer, die große Schwierigkeiten haben, sich in Karlsruhe angemessen mit Wohnraum versorgen zu können, wachse deutlich an. „Das erhöhte Miet- und Kaufpreisniveau trifft letztlich finanziell weniger gut ausgestattete Haushalte wie Studierende, Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften, Geringverdiener und Familien mit Kindern besonders“, so der OB.

Eine Stellschraube für mehr Karlsruher Wohnbauvorhaben ist, die Baugenehmigungsverfahren zu optimieren. In der Diskussion zwischen OB Mentrup, dem Karlsruher Architekten und Geschäftsführer Eberhard Fichter von der AGP Generalplaner GmbH und der Leiterin des Karlsruher Bauordnungsamts, Monika Regner, wurde deutlich, wie wichtig für die Arbeitsökonomie im Bauordnungsamt vollständige Bauanträge sind. „Die vielfach praktizierte häppchenweise Lieferung von Anlagen zum eigentlichen Bauantrag verzögert die Verfahrensdauer“, unterstrich Monika Regner. Bei größeren und komplexeren Vorhaben sei die Kontaktaufnahme mit dem Bauordnungsamt für klärende Gespräche vorab unbedingt empfehlenswert, betonte Eberhard Fichter. Umgekehrt sei es für Architekten, Investoren und Bauträger sehr wichtig, sich auf eine maximale Bearbeitungsdauer von zehn bis zwölf Wochen durch die Genehmigungsbehörde verlassen zu können. Sonst gefährde dies ernsthaft den finanziellen und planerischen Fortschritt der Projekte. 

KaWoF: Rückgang an geförderten Wohnungen erfolgreich entgegengewirkt

Auf die Evaluierung des 2014 eingeführten Karlsruher Wohnraumförderprogramms KaWoF ging Bernhard Eldracher, stellvertretender Leiter des Karlsruher Liegenschaftsamts, ein. Diese belegt, dass Bauträger und Stadt gemeinsam dem Rückgang des Bestands an geförderten Wohnungen erfolgreich entgegengewirkt haben. So konnten dem Karlsruher Wohnungsmarkt insgesamt 847 Sozialwohnungen durch KaWoF zugeführt oder erhalten werden. Ohne Förderung hätte sich der Sozialwohnungsbestand in Karlsruhe ab 2014 drastisch von 3.800 auf 3.100 Wohnungen verringert. Den größten Teil mit fast 55 Prozent hat mit rund 460 Sozialwohnungen die VOLKSWOHNUNG GmbH in den letzten drei Jahren geschaffen. Insgesamt hat die Stadt Karlsruhe über KaWoF nicht weniger als 12,9 Millionen Euro für den Neubau oder auch Bestandsförderung von Sozialmietwohnungen bereitgestellt.

Aktuelle Rahmenbedingungen blockieren manche Wohnbauoffensive

Das regelmäßige Akteurstreffen soll auch Austauschplattform mit dem Blick über Karlsruhe hinaus sein. Fehlender Wohnraum sei nicht ausschließlich ein Karlsruher Problem, hatte hierzu eingangs Sigrid Feßler, Direktorin des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen, belegt. Das Thema Wohnraummangel in deutschen Universitäts- und Großstädten stehe längst ganz weit oben auf der landes- und bundespolitischen Agenda. Jedoch stehe die konkrete Umsetzung von empfohlenen Maßnahmen noch aus – etwa prioritäre Empfehlungen der Baukostensenkungskommission des Bundes im Bereich von Baunormen, -standards und gesetzlichen Anforderungen.  Wie Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup plädierte auch Feßler dafür, aktiv für einen Bewusstseinswandel in Politik und Gesellschaft einzutreten, um die Akzeptanz für Neubauvorhaben in der Bevölkerung zu erhöhen, mehr Nachverdichtung zu akzeptieren und Wohnungsbau und Umweltschutz nicht gegeneinander auszuspielen.